Über Demenz

Demenz ist eine Erkrankung, die das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen drastisch verändern kann. Je mehr Sie darüber wissen, desto besser können Sie den täglichen Umgang mit dieser ernsthaften Krankheit meistern. Die gute Nachricht: Die Diagnose Demenz geht längst nicht in jedem Fall mit dem einher, was man im ersten Moment mit ihr verbindet: Starker Gedächtnisverlust und Verhaltensänderungen sind zwar häufige Demenz-Symptome, jedoch lassen sich einige Demenz-Formen inzwischen behandeln und ein Fortschreiten der Erkrankung mit Medikamenten verzögern.

Alles, was pflegende Angehörige über Demenz, die verschiedenen Formen und häufigsten Symptome sowie Behandlungsmöglichkeiten wissen sollten, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was versteht man unter Demenz?

Unter dem Begriff Demenz versteht man eine Reihe von Symptomen, die Gedächtnisverlust, Stimmungsschwankungen und Einschränkungen der Kommunikations- und Denkfähigkeit umfassen. Im Zuge der Krankheit führen Schädigungen im Gehirn dazu, dass Sprache, Zeitgefühl und der Orientierungssinn sowie kognitive Fähigkeiten negativ beeinflusst werden. Je nachdem, welche Gehirnregionen betroffen sind, können sich unterschiedliche Symptome und Demenzformen manifestieren. In den meisten Fällen ist das Gedächtnis der Person und deren Fähigkeit, alltägliche Aufgaben zu bewältigen, stark beeinträchtigt. Sorgen, Depressionen und Verhaltensänderungen können ebenfalls Teil des Krankheitsbildes sein. Die Symptome machen es für Menschen mit Demenz schwierig bis unmöglich, das Leben ohne die Unterstützung von Nahestehenden zu bewältigen.

Demenzpatienten pflegen – eine große Herausforderung für Angehörige

Zunächst sind es nur kleinere „Aussetzer“ im Alltag, doch schnell erschüttert eine Demenzerkrankung das ganze Sein des Menschen – und das ihrer Angehörigen. Es tut weh, zu sehen, dass die geliebte Person auf einmal nicht mehr die ist, die sie einmal war. Natürlich möchte man so viel es geht helfen, doch das ist leichter gesagt als getan. Es ist vor allem die emotionale Bindung, die es Ihnen schwierig macht, die Mammutaufgabe – Pflege eines Demenzerkrankten – pragmatisch und gut strukturiert zu meistern. Wichtig ist es jedoch, dass man versucht, auf die Bedürfnisse des Demenzerkrankten einzugehen. Selbst wenn dieser sich gegen die eigene Hilfe wehrt, Ihnen keine Wertschätzung entgegenbringt oder sich sogar vorwurfsvoll und boshaft Ihnen gegenüber verhält. Doch viele Angehörige von Demenzerkrankten berichten davon, dass die tägliche Pflege für sie eine Herzensangelegenheit ist und es sie mit Stolz erfüllt, sich um die Person kümmern zu dürfen, die ihnen so wichtig ist.

Das hat vor allem auch damit zu tun, dass viele der pflegebedürftigen Menschen mit Demenz sehr lange Zeit noch zu Hause leben – meist sogar ohne professionelle Hilfe. Man möchte die Eltern nicht bloßstellen bzw. bevormunden. Meist wird das Thema zum Streitfall, weil sich der Betroffene partout nicht helfen lassen will. Gerade ältere Generationen haben ihr Leben lang vieles selbst in die Hand genommen, ohne Hilfe von außen. Umso schwerer fällt es nun, Ihre Hilfe respektive die von Pflegediensten in Anspruch zu nehmen. Es kommt nicht selten vor, dass sich Betroffene strikt gegen jegliche Hilfe oder den so wichtigen Gang zum Hausarzt wehren.

Egal, welche Demenz-Symptome auftreten: Es ist sehr wichtig, dass Sie als pflegende Person die Situation akzeptieren und versuchen, sich darauf einzustellen. Man muss sich immer wieder bewusst machen, dass es die Krankheit ist, die das Verhalten und schnell auch die Persönlichkeit des Demenzbetroffenen zum Negativen beeinflusst. Versuchen Sie sich jedes Mal, in die Perspektive der erkrankten Person zu versetzen und Ihre Anliegen geduldig, langsam und klar zu formulieren. Falls Sie merken, in einer bestimmten Situation zu emotional zu werden, gehen Sie lieber aus der Situation heraus. Denn Ihre Emotionen übertragen sich schnell auf die des bzw. der Demenzerkrankten.

Bei aller Fürsorge und Liebe kann der Zeitpunkt kommen, da es professionelle Pflege bzw. Betreuung braucht. Die gute Nachricht: Es gibt Unterstützung für pflegende Angehörige.

Welche Demenzformen gibt es?

Es gibt mehrere Demenzarten mit unterschiedlichen Symptomen und Verläufen, wenngleich alle eins gemein haben: Langfristig kommt es zum Verlust der kognitiven Leistungsfähigkeit. Prinzipiell unterscheidet man in primäre (unumkehrbare) und sekundäre Demenzformen. Im Folgenden haben wir die drei häufigsten primären Demenzformen zusammengetragen.

Alzheimer – die häufigste Demenzform

Alzheimer und Demenz werden oft gleichgesetzt, dabei ist erstere lediglich eine Form von Demenz. Die Alzheimer-Erkrankung ist aber die mit Abstand häufigste der vielen verschiedenen Demenzarten.

Von derzeit 1,6 Millionen an Demenz erkrankten Menschen leben rund zwei Drittel mit der Diagnose Alzheimer. Heilbar ist Alzheimer bisher nicht, und auch die Ursachen sind noch nicht vollständig erforscht. Was man heute jedoch weiß: Das Risiko, daran zu erkranken, nimmt im Alter zu. Im Zuge der Erkrankung sterben nach und nach mehr Gehirnzellen ab, wobei vor allem die Gehirnregionen betroffen sind, die für die Informationsverarbeitung und das Gedächtnis zuständig sind.

Experten unterteilen Alzheimer in drei Stadien: Im Frühstadium machen sich zunächst leichte Gedächtnis- und Orientierungsprobleme im Alltag bemerkbar. Im mittleren Stadium kommt es zu Störungen des Sprachvermögens. Zudem verändert sich die Persönlichkeit des bzw. der Betroffenen, was sich durch Gereiztheit, depressive Phasen oder Aggression äußern kann. Im fortgeschrittenen Stadium sind Betroffene bei nahezu sämtlichen Tätigkeiten auf Hilfe angewiesen und verlieren zudem die Kontrolle über ihre Körperfunktionen. Gerade Letzteres stellt Sie vor eine große Herausforderung – erfahren Sie weiter unten mehr zum Thema Inkontinenz bei Demenzerkrankten.

Vaskuläre Demenz

Gefäßbedingte bzw. vaskuläre Demenz schreitet für gewöhnlich in Schüben voran und tritt nach schweren oder leichten Schlaganfällen auf. Sie ist die zweithäufigste Form der Demenz und ihre Ursache liegt im Absterben von Nervengewebe im Gehirn. Heilbar ist vaskuläre Demenz noch nicht, sie sollte aber möglichst früh behandelt werden.

Frontotemporale Demenz

Frontotemporale Demenz ist eine der primären, degenerativen Demenzkrankheiten. Hierbei bleibt das Gedächtnis weitgehend erhalten, jedoch verändert sich die Persönlichkeit. Betroffene sind sehr leicht reizbar und benehmen sich ungekannt seltsam und unsozial. Die Ursache: Bei der frontotemporalen Demenz sind vor allem die Hirnregionen betroffen, die das soziale Verhalten steuern.

Neben den primären Demenzarten gibt es die sekundären Demenzerkrankungen. Das sind Folgeerscheinungen anderer, meist außerhalb des Gehirns angesiedelter Erkrankungen. Dazu zählen beispielsweise Stoffwechselerkrankungen, Infektionen, Depression und chronische Vergiftungserscheinungen durch Alkohol oder Medikamente.

So erkennen Sie Anzeichen und Symptome von Demenz

Es ist wichtig, dass Sie so früh wie möglich versuchen, mit der betroffenen Person zu reden, und im besten Fall sofort mit ihr bzw. ihm zum behandelnden Hausarzt zu gehen. Doch die Realität sieht oft anders aus. Vielleicht geht es Ihnen wie vielen Angehörigen: Zunächst kann einen die Situation erst einmal überfordern oder man erkennt die Anzeichen für Demenz gar nicht erst. Wichtig hierbei: Sie müssen sich deshalb keine Vorwürfe machen, zumal Demenzsymptome oft schwer von normaler Altersvergesslichkeit zu unterscheiden sind.

Hier einige Anzeichen für Demenz auf einen Blick:

  • Aussetzer der Merkfähigkeit und des Kurzzeitgedächtnisses
  • Plötzlicher Orientierungsverlust, oft auch in fremden Umgebungen
  • Sprachprobleme, selbst einfache Wörter fallen nicht mehr ein
  • Lustlosigkeit, Ängstlichkeit, unerwartete Wutausbrüche und Stimmungsschwankungen
  • Fehleinschätzung von Gefahren

Demenzsymptome erkennen: So wird Demenz diagnostiziert

Wenn Sie immer häufiger bisher ungekannte Verhaltensweisen wie Gedächtnisverlust, Probleme bei der Formulierung von Sätzen oder plötzliche Stimmungsschwankungen bemerken, und die Vermutung haben, dass es sich dabei um eine Demenzform handelt, sollten Sie so früh wie möglich mit dem bzw. der Betroffenen zum Hausarzt gehen. Natürlich kann es sein, dass Sie Angst haben – Angst vor der Demenz-Diagnose. Doch es ist sehr wichtig, zu verstehen, dass genau dieser Schritt der Beginn zur Lösung des Problems sein kann.

Denn zum einen wird die an Demenz erkrankte Person professionell behandelt, zum anderen werden Sie mental entlastet. Häufig kommt es dazu, dass Angehörige die Krankheit in ihrem ganzen Ausmaß so erst richtig verstehen und lernen, besser mit ihr umzugehen. Die Perspektive ändert sich: Aus der zuvor fast aussichtslosen Situation wird auf einmal eine Herausforderung, die man mit aufopferungsvoller Hingabe und Liebe bewältigen kann.

Die Erstdiagnose wird meist vom Hausarzt gestellt. Ein Gespräch, verschiedene kognitive Tests und weitere Untersuchungen hinsichtlich des körperlichen und psychischen Gesundheitszustands geben Auskunft, ob und falls ja, welche Form von Demenz vorliegt.

Zur Vorbereitung des Arztbesuches können Sie sich die Fragen aufschreiben, die Ihnen zum Thema Demenz und zu Ihrer persönlichen Situation einfallen. Denn in der Aufregung und dem Wunsch, dass Ihnen der Arzt hoffentlich weiterhilft, kann es schonmal passieren, dass Sie vergessen, was Ihnen wichtig ist und Sie eigentlich fragen wollten.

Kann Demenz vorgebeugt werden?

Eine frühzeitige Diagnose ist deshalb so wichtig, damit sich alle Beteiligten mit der Krankheit und ihren Folgen auseinandersetzen können – bevor der Betroffene in einem fortgeschrittenen Demenzstadium ist. Das entlastet nicht nur Sie, sondern viel wichtiger noch: Der Demenzerkrankte leidet weniger an den Folgen der Erkrankung, da zum Beispiel eine medikamentöse Behandlung bei akuten, körperlichen Schmerzen durch Infektionen oder Entzündungen helfen kann.

Generell lässt sich festhalten, dass körperliche Bewegung, geistige Aktivitäten (z. B. Musizieren, Malen, Lesen), eine ausgewogene Ernährung sowie der Verzicht bzw. gemäßigte Konsum von Alkohol und Nikotin vorbeugend gegen Demenz wirken können. Eine Garantie, nicht an Demenz zu erkranken, gibt es leider nicht.

Demenz – eine Erkrankung ohne Heilung?

Das Wichtigste gleich vorweg: Für Demenz – genauer gesagt für die primären Demenzarten – gibt es derzeit noch keine Therapie, die zur Heilung führt. Das Ziel der verschiedenen Behandlungen liegt darin, die Symptome der Erkrankten und damit deren bzw. auch Ihre Lebensqualität zu verbessern.

Es gibt Medikamente, die den geistigen Abbau etwas verzögern können. Welche Medikation hierbei in Frage kommt, hängt von der Schwere bzw. dem Stadium ab. Doch es gibt nicht nur medikamentöse Behandlungen. Um die verbliebenen Fähigkeiten der Demenzerkrankten zu trainieren, kommen zudem Musik- und Kunsttherapien, speziell zugeschnittene Wahrnehmungsübungen (kognitive Stimulation) sowie ergotherapeutische Behandlungen in Frage. Ziel ist es dabei, die Selbstständigkeit der Betroffenen so lange wie möglich zu erhalten.

Was kann sonst noch helfen? Solange die Krankheit noch nicht die Fähigkeit genommen hat, Gelesenes zu verstehen, helfen kleine Zettel auf Gegenständen und an Türen bzw. Wänden, den Alltag besser zu bewältigen. So können Sie zum Beispiel den täglichen Toilettengang für den Betroffenen enorm erleichtern.

Demenz und Inkontinenz: Wie Sie am besten damit umgehen

Inkontinenz geht oft mit Demenz einher. Meist ist das der Punkt, an dem auch pflegende Angehörige an ihre Grenzen gelangen. Nicht weil sie sich vor der Aufgabe ekeln, sondern weil es sie emotional zu sehr mitnimmt, den Menschen derart hilflos sehen. Es ist also absolut nichts Schlimmes dabei, wenn Sie sich professionelle Hilfe suchen, sobald die bzw. der Betroffene inkontinent wird.

Auch hierbei kann bereits das Wissen um die Ursache und Hintergründe dazu beitragen, besser mit der neuen Situation umzugehen. Ein Demenzpatient mit Inkontinenz hat keine Kontrolle mehr über seine Körperfunktionen und weiß nicht, dass er auf Toilette muss. Demenzpatienten verstehen oft auch nicht, weshalb sie nun spezielle Kleidung oder Unterwäsche tragen sollen – das erfordert viel Geduld und Einfühlungsvermögen seitens der Angehörigen. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, welche Produkte für Ihre nahestehende Person in Frage kommen, finden Sie hier eine Übersicht der Inkontinenzprodukte des TENA-Sortiments.

Fazit: Leben mit Demenz

Eine Demenz-Diagnose zu erhalten kann ein Schock für Sie und Ihre Verwandten sein, der bei Ihnen wahrscheinlich eine Menge an Emotionen auslöst. Es ist jedoch wichtig, sich vor Augen zu halten, dass das Leben noch lange nicht vorbei ist. Im Leben geht es immer um Chancen und Herausforderungen, auch in schwierigen Situationen. Suchen Sie sich möglichst frühzeitig professionelle Hilfe – sowohl um den Demenzbetroffenen mehr Lebensqualität zu schenken als auch um Sie selbst zu entlasten.