Was tun bei Blasenschwäche

Plötzlicher, starker Harndrang oder unfreiwilliger Verlust von Urin sind Probleme, die viele Frauen kennen, wobei Ursache und Ausprägung individuell sehr verschieden sein können. Wenn du selbst betroffen bist oder jemanden mit Blasenschwäche kennst, dann weißt du sicherlich um die vielen möglichen Situationen, in denen dies zum Problem werden kann.

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Die medizinischen Informationen in diesem Artikel wurden fachlich geprüft von:
Dr. Verena Breitenbach, Frauenärztin

Eine schwache Blase ist in den meisten Fällen und bei richtiger Diagnose, behandelbar und nichts, was du einfach akzeptieren musst. Neben der Behandlung durch einen Arzt, gibt es zahlreiche Hausmittel und Tipps, die du zur Vorbeugung und Bekämpfung einer schwachen Blase nutzen kannst. Viel trinken, Beckenbodengymnastik oder eine Gewichtsreduktion können ja nach Art und Ursache der Blasenschwäche sinnvoll sein.

TENA informiert dich zum Thema schwache Blase und zeigt dir, was du selbst gegen Blasenschwäche tun kannst.

Außerdem haben wir ein Interview mit Prof. Dr. med. Peschers, Direktorin des Beckenbodenzentrums der Klinik für Gynäkologie am Isar Klinikum in München, geführt und ihr die wichtigsten Fragen zum Thema Blasenschwäche gestellt. Das komplette Interview kannst du dir kostenlos im Podcast anhören oder dir am Ende dieser Seite in Schriftform durchlesen. Zum Interview in Schriftform.

Was ist eine Blasenschwäche?

Bei einer Blasenschwäche, auch Harninkontinenz genannt, kommt es zum ungewollten Urinverlust. Dafür kann es viele Ursachen geben, z. B. eine Schwächung des Beckenbodens, Infektionen, Schädigung von Nerven, Stoffwechselerkrankungen und andere. Für die Diagnose des genauen Grundes und einer entsprechenden Behandlung empfehlen wir dir, einen Arzt aufzusuchen.

Ein Arzt kann durch verschiedene Tests herausfinden, wie es zu einer Inkontinenz kam, Empfehlungen aussprechen und Medikamente verschreiben oder dich an einen Physiotherapeuten verweisen. Eine Blasenschwäche ist behandelbar; damit ein Arzt dich aber behandeln kann, ist es wichtig, dass du das ehrliche Gespräch mit ihm oder ihr suchst - dein Arzt oder deine Ärztin muss die richtigen Informationen über deinen Lebensstil und dein allgemeines Verhalten haben, um eine Ursache diagnostizieren zu können.

Trotz Blasenschwäche Alltag genießen

Wer ist von einer Blasenschwäche betroffen?

Eine Blasenschwäche wird oftmals als eine typische Frauenkrankheit bezeichnet. Tatsächlich sind mehr Frauen als Männer von Inkontinenz betroffen. Das liegt oftmals an begünstigenden Faktoren wie der im Vergleich kürzeren Harnröhre, einer Schwangerschaft oder der Hormonumstellung während der Menopause. Inkontinenz tritt nicht nur bei älteren Frauen auf, sondern in allen Altersgruppen. Zwar kommt sie bei Frauen höheren Alters häufiger vor, doch auch junge Frauen können bereits von einer sensiblen Blase betroffen sein.

Was sind die Ursachen für eine Blasenschwäche bei Frauen?

Eine schwache Blase kann auf verschiedene Gründe zurückzuführen sein. Mögliche Ursachen einer Blasenschwäche sind:

  • Schwangerschaft und Geburt
  • Körperliche Belastung
  • Übergewicht
  • Bindegewebsschwäche
  • Verminderte Östrogenproduktion während der Wechseljahre
  • Infektionen
  • Unterleibsoperationen
  • Neurologische Erkrankungen
  • Diabetes
  • Durchblutungsstörungen
  • Operationen
  • Harnwegs- oder Blasensteine
  • Anatomische Veränderungen im Becken
  • Langer und starker Husten
  • Verstopfung

Frauen sind aufgrund ihrer Anatomie häufiger von einer sensiblen Blase betroffen als Männer. Zum einen ist das weibliche Becken breiter als das männliche, sodass die Beckenbodenmuskulatur mehr arbeiten muss. Zum anderen wird der Beckenboden durch Schwangerschaft und Geburt stärker beansprucht. Auch ein Hormonmangel kann den Beckenboden schwächen.

Angesicht der zahlreichen möglichen Ursachen verwundert es nicht, dass Inkontinenz in ganz unterschiedlichen Formen auftritt. So gibt es eine Belastungsinkontinenz, bei der es vor allem bei körperlicher Belastung zu unfreiwilligem Verlust von Urin kommt, eine Dranginkontinenz mit plötzlichem, starkem Harndrang, ohne dass die Blase voll ist, und eine Mischinkontinenz, die eine Mischung aus Belastungs- und Dranginkontinenz darstellt.

Was tun bei Blasenschwäche? Tipps bei einer schwachen Blase

Blasenschwäche ist ein sehr intimes Problem. Betroffene nehmen oft an, dass es bei einer Inkontinenz keine Aussicht auf Heilung oder zumindest eine Besserung der Symptome gebe. Doch zur Behandlung von Blasenschwäche oder einer Verbesserung der Blasenfunktion gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Beckenbodentraining, eventuell Biofeedback und Elektrostimulation
  • Ausreichendes Trinken
  • Anpassung der Ernährung
  • Geeigneter Sport
  • Verhaltenstherapien
  • Medikamentöse Behandlungen
  • Operative Eingriffe
  • Eventuell Gewichtsreduktion
  • Eventuell Hormontherapie
  • Starkes Husten vermeiden
  • Verstopfung vorbeugen
  • Grunderkrankungen (z. B. Diabetes) behandeln
Geeignete Getränke bei Blasenschwäche

Beckenbodentraining lässt sich oft über den Tag verteilt in 5 Minuten wie nebenbei erledigen – entsprechende Übungen sind oft Teil von Yoga- oder Pilates-Kursen. Sicherlich werden auch in deiner Nähe Kurse angeboten, in denen du die einfachen und für jeden geeigneten Übungen dieser sanften Sportarten erlernen kannst. Einige Yoga-Pilates-Übungen findest du auch bei uns. Wer möchte, kann das Training für den Beckenboden mit Entspannungsübungen kombinieren oder die Psyche durch Tai Chi oder Meditation stärken. Denn wenn es dir mental gutgeht, wirst du dich auch körperlich bald besser fühlen. Empfehlenswert ist es, alle drei Schichten des Beckenbodens zu kräftigen. Und du solltest ihn trainieren, bevor es zu einer Beckenbodenschwäche kommt. Idealerweise gehört Beckenbodengymnastik wie Zähneputzen zu deiner täglichen Routine.

Genug zu trinken ist bei einer Blasenschwäche sehr wichtig. Genauso von Bedeutung ist es, darauf zu achten, das richtige Getränk zu wählen. So solltest du möglichst 1,5–2 Liter pro Tag trinken, um nicht nur der Haut und dem Rest des Körpers Gutes zu tun, sondern auch deiner Blase. Trinke dabei gern viel Wasser oder ungesüßten Tee. Besonders spezielle Tees gegen Blasenschwäche, Tee aus Bärentraubenblättern und Brennnesseln sowie Salbei-Tee wirken gegen Bakterien. Die Menge an Flüssigkeit spült die Blase und die Harnwege durch, wodurch du möglichen Infekten vorbeugen kannst. Wenn du mit einer schwachen Blase Probleme hast, solltest du auf koffeinhaltige Getränke (z.B.  Kaffee und schwarzen Tee) und Alkohol verzichten, denn diese wirken harntreibend. Zu den Nahrungsmitteln, die gut für die Blase sind, zählen zum Beispiel Kürbiskerne. Und wenn du mit Nykturie bzw. verstärktem Harndrang während der Nacht zu tun hast, solltest du ab dem frühen Abend nichts mehr trinken und vor dem Zu-Bett-gehen noch einmal auf die Toilette zu gehen.

Auch Sport kannst du präventiv gegen eine Blasenschwäche oder bei einer bereits bestehenden Schwäche der Blase zur Behandlung treiben. So kannst du unter Anleitung eines Physiotherapeuten oder mithilfe von Übungen aus Videos gezielt den Beckenboden trainieren. Folgende Sportarten sind bei einer Blasenschwäche geeignet, da sie den Beckenboden kräftigen bzw. ihn nicht zu stark belasten:

  • Pilates
  • Yoga
  • Yoga Pilates
  • Walking
  • Radfahren
  • Schwimmen

Auf Sportarten wie Tennis oder Joggen solltest du bei einer Blasenschwäche verzichten, da die Erschütterungen beim Laufen den Beckenboden stark beanspruchen. Eine weitere Möglichkeit, die Funktion der Blase zu steigern, wäre eine Gewichtsreduktion, durch die die Blase entlastet wird.

Yoga bei Blasenschwäche

Wieder mehr Lebensqualität trotz einer schwachen Blase

Auch wenn du all unsere Tipps gegen Blasenschwäche befolgst, verschwindet die Inkontinenz natürlich nicht einfach von heute auf morgen. Man möchte dennoch nicht auf Sport oder ein Treffen mit Freunden verzichten. Damit du das Leben entspannt genießen kannst, hat TENA eine Reihe von Inkontinenzprodukten für Frauen entwickelt, die für jede Form der Inkontinenz den richtigen Schutz bietet. Auf tena.de kannst du außerdem eine kostenlose Probe für ein passendes TENA Produkt bestellen.

Interview zu Inkontinenz mit Prof. Dr. med. Ursula Peschers

TENA:
Herzlich willkommen zu unserem Experteninterview zum Thema „Was tun bei Blasenschwäche?“ hier auf tena.de. Begrüßen darf ich Prof. Dr. med. Ursula Peschers, Direktorin des Beckenbodenzentrums der Klinik für Gynäkologie am Isar Klinikum in München. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns und unseren Lesern ein paar wichtige Fragen zu beantworten.

Prof. Dr. med. Peschers:
Gerne.

TENA:
Blasenschwäche ist ja nicht unbedingt ein Thema, das man beim Kaffee mit Freunden bespricht. Viele fühlen sich daher ausgegrenzt und alleingelassen mit der Thematik. Aber stimmt es, dass Inkontinenz wirklich so selten ist?

Prof. Dr. med. Peschers:
Inkontinenz ist überhaupt nicht selten! Wir gehen davon aus, dass mindestens 30 Prozent der Frauen nach den Wechseljahren von einer Inkontinenz betroffen sind, die sie auch im Alltag stört. Bei mindestens zehn Prozent aller Frauen ist die Blasenschwäche so stark, dass sie ihr Leben stark beeinträchtigt. Außerdem kann Inkontinenz auch junge Frauen betreffen. Es gibt durchaus Frauen, die mit Ende 20 schon von einer Inkontinenz betroffen sind, z. B. nach einer Geburt.

TENA:
Wenn man sich hinsichtlich der Symptome unsicher ist – ab wann empfehlen Sie, einen Arzt aufzusuchen?

Prof. Dr. med. Peschers:
Ganz eindeutig dann, wenn die Patientin durch die Blasenschwäche so beeinträchtigt ist, dass es sie in ihrem Alltagsleben stört. Wer beim festen Niesen oder während einer Heuschnupfenepisode mal einen Tropfen Urin verloren hat, muss sicherlich nicht zum Arzt gehen. Aber wer einmal oder mehrmals pro Woche auch kleinere Mengen Urin verliert und daraufhin sagt: „Ich gehe jetzt nicht mehr zum Sport“ oder „Ich traue mich nicht mehr, den Kindern auf dem Spielplatz hinterherzurennen“, sollte auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.

TENA:
Welche Untersuchungen oder Informationen sind nötig, um bei einer Blasenschwäche die richtige Diagnose zu stellen?

Prof. Dr. med. Peschers:
Zuerst führt der Arzt ein ausführliches Gespräch mit der Patientin, um zu erfahren, wann die Inkontinenz auftritt. Außerdem wichtig: Wurde die Patientin schon mal operiert? Hat die Patientin Kinder geboren? Bei dieser Basisuntersuchung wird auch geschaut, ob eine Harnwegsinfektion vorliegt. Wir lassen die Patientin in der Regel außerdem ein „Blasentagebuch“ führen: Sie soll drei Tage lang aufschreiben, was und wie viel sie trinkt, und jedes Mal, wenn sie zur Toilette geht, in einem Messbecher auffangen, wie viel Wasser sie lässt. Anhand dieser Informationen können wir in der Regel mit einem konservativen Behandlungsversuch starten. Eine Operation ist noch kein Thema, wir fangen aber schon mal mit Gymnastik oder Medikamenten an.

TENA:
Viele sehen immer noch einen Zusammenhang zwischen den Wechseljahren und Blasenschwäche. Aber gibt es diesen Zusammenhang wirklich?

Prof. Dr. med. Peschers:
Ja, den gibt es eindeutig! Bei vielen Frauen werden die Beschwerden nach den Wechseljahren deutlich schlimmer. Das hat zwei Ursachen: Zum einen ändert sich nach den Wechseljahren die hormonelle Lage – und das ist schlecht für die Kontinenz, also die Fähigkeit, das Wasser zu halten. Zum anderen liegt es natürlich am Alter. Je älter man wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass man inkontinent wird.

TENA:
Könnte es die Inkontinenz abschwächen, wenn ich weniger trinke?

Prof. Dr. med. Peschers:
Prinzipiell eine schlechte Idee! Wenn man weniger trinkt, wird der Urin wesentlich konzentrierter und wirkt umso aggressiver auf die Blase. Drangbeschwerden werden dann tendenziell eher schlimmer als besser. Natürlich bedeutet das nicht, dass man extrem viel trinken sollte. Aber Patientinnen mit einer Blasenschwäche sollten durchaus 1,5 bis 2 Liter am Tag trinken. Zum Beispiel Tees, die nicht harntreibend sind, oder stilles Wasser.

TENA:
Wenn ich z. B. morgens gerne Kaffee trinke und abends ein Glas Sekt – muss ich darauf verzichten?

Prof. Dr. med. Peschers:
Das kommt drauf an. Wenn Sie eine Belastungsinkontinenz haben, können Sie trinken, was Sie wollen. Wenn Sie eine Dranginkontinenz haben, also eine überaktive Blase, und es nicht bis zur Toilette schaffen, sollten Sie harntreibende Stoffe – und dazu gehören eben Koffein und Alkohol – möglichst meiden. Oder Sie planen so, dass eine halbe Stunde nach dem Kaffeetrinken eine Toilette in Reichweite ist. Sie müssen also nicht zwangsläufig verzichten, sollten aber natürlich nicht ausschließlich schwarzen Tee und Kaffee trinken.

TENA:
Sie hatten ganz kurz angesprochen, dass sich pflanzliche Tees positiv auswirken können. Gibt es noch andere pflanzliche Mittel, die sich positiv auf Inkontinenz-Beschwerden auswirken?

Prof. Dr. med. Peschers:
Bei immer wiederkehrenden Harnwegsinfektionen empfehlen wir pflanzliche Arzneimittel oder Blasentees. Aber auch kanadische Preiselbeeren (Cranberryss) sind hilfreich. Kürbiskernmedikamente hingegen, die bei Männern häufig gegeben werden, helfen Frauen in der Regel nicht gut.

TENA:
Welche Tipps können Sie für den Alltag geben? Auf tena.de haben wir schon über die Stärkung der Beckenbodenmuskulatur geschrieben. Wie kann ich sie stärken?

Prof. Dr. med. Peschers:
Zuerst einmal muss ich wissen, ob ich meine Beckenbodenmuskulatur überhaupt richtig anspannen kann – der Muskel ist schließlich nicht sichtbar. Das Beckenbodentraining lässt sich ganz wunderbar in den Alltag integrieren, indem man sich zum Beispiel vornimmt: „Immer wenn ich an einer roten Ampel stehe, dann spanne ich zehn Mal den Beckenboden an!“ Aber wichtig: vorher lernen, wie das richtig geht!

TENA:
Ab wann ist das Ausmaß der Blasenschwäche so hoch, dass ich operiert werden muss?

Prof. Dr. med. Peschers:
Das ist natürlich eine sehr individuelle Entscheidung. Wir empfehlen immer, die konservativen Maßnahmen auszureizen. Wenn auch dann noch die Blasenschwäche im Alltag stört, dann empfehlen wir eine Operation. Dabei handelt es sich in der Regel um sehr kleine und relativ komplikationsarme Eingriffe.

TENA:
Ich bedanke mich recht herzlich bei Ihnen, dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns Frage und Antwort zu stehen bei unserem Interview hier auf tena.de!

Prof. Dr. med. Peschers:
Gerne!