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Schaum im Urin: Besteht akuter Handlungsbedarf?

Ob Farbe, Trübung oder Schaum auf dem Urin – auffällige Veränderungen des Harns können beunruhigend sein. Meistens finden sich harmlose Erklärungen, wie eine Reaktion auf den Verzehr bestimmter Lebensmittel oder auf die Einnahme bestimmter Medikamente. Doch es lohnt sich, das Phänomen im Auge zu behalten. Denn Schaum im Urin kann auch auf ernste Ursachen hindeuten.

Wie und warum entsteht Schaum auf dem Urin?

Wie viel Schaum im Urin ist normal? Sollten Sie bei einem Patienten Schaum im Urin beobachten, prüfen Sie zunächst, ob Putzmittelreste in der Toilette als Ursache ausgeschlossen werden können. Auch das Urinieren im Stehen kann zu einer leichten Schaumbildung führen, dieser löst sich aber unmittelbar wieder auf. Überprüfen Sie auch die Medikation: Antibiotika, bestimmte Schmerzmittel und einige Krebsmedikamente können Schaum im Urin hervorrufen. Trifft keiner dieser Gründe zu, ist Handeln gefragt. Denn schaumiger Urin deutet meist auf erhöhte Eiweißwerte hin.

Leicht erhöhte Proteinwerte können auch bei gesunden Menschen vorkommen, etwa nach starker körperlicher Belastung wie Sport oder anstrengender körperlicher Arbeit. Auch Stress, extreme Temperaturen, Flüssigkeitsmangel und Fieber können zu einem leichten Anstieg der Eiweißkonzentration im Urin führen. Bildet sich Schaum auf dem Urin, kann man aber von einer stärkeren Konzentration ausgehen – und das hat meist schwerwiegendere Gründe.

Normalerweise lassen die Nieren beim Filtern des Blutes kein oder nur sehr geringe Mengen Eiweiß passieren – schließlich wird es für grundlegende Stoffwechselfunktionen im Körper benötigt. Finden sich dennoch größere Konzentrationen von Eiweiß im Harn, lässt das auf eine Störung der Filterfunktion der Nieren schließen – es kommt zur sogenannten Proteinurie.

Schaum im Urin: Diese Grunderkrankungen können Ursache sein

Tritt eine Proteinurie auf, liegt das immer an einer mangelnden Filterfähigkeit der Nieren. Diese kann entweder durch eine Überlastung der Nieren aufgrund einer zu hohen Eiweißkonzentration im Blutplasma oder durch eine Schädigung der Nieren selbst hervorgerufen werden.

Die Prärenale Proteinurie

Hier liegt ein so stark erhöhter Proteinwert im Blut vor, dass die Nieren der Menge schlicht nicht gewachsen sind und deshalb größere Mengen an Eiweiß die Schranke passieren. Folgende Erkrankungen können Ursache für die Prärenale Proeteinurie sein:

  • Bluthochdruck
  • Herzbeutelentzündung
  • Autoimmunerkrankungen von Leber oder Lunge
  • Knochenmarkkrebs
  • Schwangerschaftsvergiftung
  • chronische entzündliche Autoimmunerkrankung des Bindegewebes
  • Tuberkulose
  • Malaria
  • Sichelzellenanämie

Die Renale Proteinurie

Hier liegt die Ursache in einer Schädigung der Niere selbst. Es kommt zu Funktionsstörungen, durch die auch große Eiweiße wie das Albumin die Nierenschranke passieren. Ursache können zum Beispiel chronische Nierenschäden, eine Nierenentzündung oder Diabetes Mellitus mit Beteiligung der Nieren sein. Meist treten neben Schaum im Urin noch weitere Symptome wie Wassereinlagerungen an Knöcheln, Unterschenkeln und im Gesicht auf. Auch geringe Urinmengen, Schmerzen beim Wasserlassen, ein allgemeines Schwächegefühl und Appetitlosigkeit sind häufige Begleitsymptome.

Die Postrenale Proteinurie

Hier entsteht die erhöhte Eiweißkonzentration erst nach Passieren der Nierenschranke. Ursache sind meist Infektionen oder Verletzungen der ableitenden Harnwege. Bei einem Harnwegsinfekt treten oft Schmerzen im Unterbauch und beim Wasserlassen, häufiger Harndrang oder Inkontinenz als Begleitsymptome auf.

Diagnose durch den Arzt

Schaum im Urin kann also durchaus ernste Ursachen haben, die dringend ärztlich abgeklärt werden müssen. Erste Maßnahme ist dann in der Regel die Untersuchung des Harnstatus anhand eines Urinteststreifens. Zeigt der Teststreifen einen Proteinwert von über 8 mg/dl an, gilt er als erhöht. Allerdings ist die einmalige Untersuchung per Teststreifen nicht sehr genau. Präzisere Werte erhält man durch die Analyse des 24-Stunden-Sammel-Urins. Hier gelten folgende Grenzwerte:

  • Albumin normal: bis 30 mg/Tag
  • Mikroalbuminurie: 30 bis 300 mg/Tag
  • Makroalbuminurie: über 300 mg/Tag
  • Gesamtproteine normal: bis 150 mg/Tag

Mit Hilfe der Gelelektrophorese, einer Untersuchungsmethode auf molekularer Ebene, können außerdem unterschiedliche Proteine im Urin gemessen werden, was für die Diagnosestellung hilfreich sein kann.

Findet sich Schaum im Urin aufgrund einer Proteinurie, ist das in der Regel nur ein Symptom. Für eine aussagekräftige Diagnose ist eine genaue Anamnese des Gesundheitszustandes des Patienten daher essentiell. Erst wenn die Diagnose eindeutig ist, kann mit einer sinnvollen Therapie begonnen werden.

Zusammenfassung

Veränderungen des Urins treten häufig auf und haben meist ganz harmlose Ursachen. Ändern sich Farbe oder Geruch, sind meistens Ernährung oder Trinkverhalten Ursache. Auch trüber Urin hat in den meisten Fällen keine schwerwiegenden Gründe. Tritt aber Schaum auf dem Urin auf, sollte genauer hingeschaut werden. Denn dann liegt häufig eine Proteinurie vor, die schwerwiegende und dringend behandlungsbedürftige Ursachen haben kann.

Quellen: 
 
https://www.netdoktor.de/laborwerte/eiweiss-im-urin/
https://www.praxisvita.de/schaumiger-urin-muss-ich-zum-arzt-17058.html
https://www.jameda.de/gesundheit/blut-lymphen-druesen/eiweiss-im-blut-was-tun-bei-zu-viel-oder-zu-wenig/
https://www.netdoktor.at/krankheit/haemolytische-anaemie-7344