Was tun bei Blasenschwäche?

06.02.2025

Plötzlicher, starker Harndrang oder unfreiwilliger Verlust von Urin sind Probleme, die viele Frauen kennen, wobei Ursache und Ausprägung individuell sehr verschieden sein können. Wenn du selbst betroffen bist oder jemanden mit kennst, dann weißt du sicherlich um die vielen möglichen Situationen, in denen dies zum Problem werden kann.

Eine schwache Blase ist in den meisten Fällen und bei richtiger Diagnose behandelbar und nichts, was du einfach akzeptieren musst. Neben der Behandlung durch einen Arzt, gibt es zahlreiche Hausmittel zur Vorbeugung und Bekämpfung einer schwachen Blase sowie Tipps für eine tägliche Routine für den Umgang mit Harninkontinenz. Viel trinken, Beckenbodengymnastik oder eine Gewichtsreduktion können ja nach Art und Ursache der Blasenschwäche sinnvoll sein.

TENA informiert dich zum Thema schwache Blase und zeigt dir, was du selbst gegen Blasenschwäche tun kannst.

Außerdem haben wir ein Interview mit Prof. Dr. med. Peschers, Direktorin des Beckenbodenzentrums der Klinik für Gynäkologie am Isar Klinikum in München, geführt und ihr die wichtigsten Fragen zum Thema Blasenschwäche gestellt. Das komplette Interview kannst du dir am Ende dieser Seite kostenlos im Podcast anhören oder in Schriftform durchlesen.

Was ist eine Blasenschwäche?

oder auch Harninkontinenz bezeichnet einen ungewollten und unkontrollierten Verlust von Urin. Die Blasenentleerung kann nicht mehr vollständig oder gar nicht mehr kontrolliert werden. Dafür kann es viele Ursachen geben, z. B. eine Schwächung des Beckenbodens, Infektionen, Schädigung von Nerven, Stoffwechselerkrankungen und andere.
 
Eine kann verschiedene Ursachen und Ausprägungen haben. Die häufigsten Formen der Harninkontinenz sind:
 
  • Die Belastungsinkontinenz, bei der es vor allem bei körperlicher Belastung zu unfreiwilligem Verlust von Urin kommt 
  • Die Dranginkontinenz mit plötzlichem, starkem Harndrang, ohne dass die Blase voll ist 
  • Die Mischinkontinenz, die eine Mischung aus Belastungs- und darstellt
  • Die Überlaufinkontinenz, die durch eine Blasenentleerungsstörung und dem damit einhergehenden Druck auf die Harnblase zustande kommt
  • Die Reflexinkontinenz, die durch eine gestörte Übertragung von Nervenimpulsen zur unkontrollierten Kontraktion der Blasenmuskulatur führt

Wer ist von einer Blasenschwäche betroffen?

Eine kann Männer ebenso wie Frauen treffen. Frauen sind allerdings häufiger von einer sensiblen Blase betroffen. Das liegt oftmals an begünstigenden Faktoren in der weiblichen Anatomie. Zum Beispiel ist das weibliche Becken breiter als das männliche, sodass die Beckenbodenmuskulatur mehr arbeiten muss. Gleichzeitig ist die Harnröhre bei Frauen kürzer. Durch eine Schwangerschaft oder die Hormonumstellung rund um die Menopause wird die stark belastet bzw. geschwächt, was ein weiterer maßgeblicher Faktor für eine Blasenschwäche ist. tritt nicht nur bei älteren Frauen auf, sondern in allen Altersgruppen. Zwar kommt sie bei Frauen höheren Alters häufiger vor, doch auch junge Frauen können bereits von einer sensiblen Blase betroffen sein.⁠

Was sind die Ursachen für eine Blasenschwäche bei Frauen?

Eine schwache Blase kann auf verschiedene Gründe zurückzuführen sein. Mögliche Ursachen einer sind:

  • Schwangerschaft und Geburt
  • Körperliche Belastung
  • Übergewicht
  • Bindegewebsschwäche
  • Verminderte Östrogenproduktion während der Wechseljahre
  • Infektionen
  • Unterleibsoperationen
  • Neurologische Erkrankungen
  • Diabetes
  • Durchblutungsstörungen
  • Operationen
  • Harnwegs- oder Blasensteine
  • Anatomische Veränderungen im Becken
  • Langer und starker Husten

Was tun bei Blasenschwäche? Tipps bei einer schwachen Blase

Wenn du selbst betroffen bist, wendest du dich am besten zunächst an deine Hausarztpraxis. Hier können verschiedene Tests Aufschluss darüber geben, wie es zu der kommt, Empfehlungen ausgesprochen und Medikamente verschreiben werden. Gegebenenfalls erhältst du eine Überweisung zu einer gynäkologischen, urologischen oder auch psychotherapeutischen Praxis. Eine ist in aller Regel behandelbar. Und keine Scheu: Es ist wichtig, dass du das ehrliche Gespräch mit deinem Arzt oder deiner Ärztin suchst und die richtigen Informationen über deinen Lebensstil und dein allgemeines Verhalten lieferst, um die Ursache diagnostizieren und eine passende Behandlung einleiten zu können.
 
Anschließend kannst du dir eine tägliche Routine für den Umgang mit Harninkontinenz aufbauen. Dazu zählen neben allgemeinen Anpassungen deines Lebensstils auch ganz praktische Maßnahmen, die du ergreifen kannst, um dich in Alltagssituationen sicher und unbeschwert zu fühlen. 
 
Nach ärztlicher Abklärung können Therapien auf folgenden Gebieten erfolgen: 
 
  • Beckenbodentraining, eventuell Biofeedback und Elektrostimulation
  • Verhaltenstherapie
  • Medikamentöse Behandlung
  • Operative Eingriffe
  • Hormontherapie
  • Behandlung von Grunderkrankungen (z. B. Diabetes) 
  • Gegebenenfalls Maßnahmen zur Gewichtsreduktion

Beckenbodentraining

Das Beckenbodentraining wird als konservative Therapie insbesondere bei der eingesetzt. In der Regel werden die Übungen im Rahmen einer Physiotherapie eingeübt und sollten dann regelmäßig, am besten täglich durchgeführt werden. Studien zeigen, dass hier gezielte Beckenbodenübungen oder ein kombiniertes Training von Beckenboden und umliegender Muskulatur die besten Ergebnisse erzielen. Letzteres ist zum Beispiel bei Sportarten wie Yoga und Pilates der Fall. Gegebenenfalls kann das Training durch ein Biofeedback-Gerät mit oder ohne Elektrostimulation ergänzt werden, ob diese aber zu einer signifikanten Verbesserung des Trainingsergebnisses beitragen, ist bisher nicht hinlänglich belegt.
Einige praktische Beckenbodenübungen für eine starke Muskulatur findest du auch bei uns.

Wie kann ich meine tägliche Routine für den Umgang mit Harninkontinenz vereinfachen?

Für den Erfolg deiner Therapie sind unter Umständen auch folgende Punkte wichtig:
 
  • Ausreichendes Trinken
  • Anpassung der Ernährung
  • Geeigneter Sport
  • Starkes Husten vermeiden
  • vorbeugen
  • Einen aktiven Lebensstil führen
  • Nicht rauchen
 
Das ist manchmal leichter gesagt als getan. Im Alltag scheint oft kaum Platz für lange Sport- oder ausgedehnte Koch-Sessions. Das Trinken wird schnell vergessen, wenn der Terminkalender voll oder man viel unterwegs ist. Doch mit etwas gutem Willen und ein paar praktischen Routinen lassen sich all diese Punkte meist gut integrieren:

Finde deine Sportroutine

Viele Beckenbodenübungen sind barrierearm ohne Geräte oder anderes Zubehör durchführbar und lassen sich über den Tag verteilt in 5 Minuten wie nebenbei erledigen – beim Warten an der roten Ampel, auf dem Bürostuhl in der Mittagspause, abends vor dem Fernseher oder beim Zähneputzen. Auch Apps oder Video-Kurse können hilfreich sein, um eine regelmäßige Sportroutine aufzubauen. Finde deine bevorzugten Zeiten heraus und stelle dir eine Erinnerung im Handy ein, damit du es nicht vergisst! 
Wenn du gerne in Gesellschaft trainierst, suche dir einen Sport-Kurs, den du fest einplanst. Folgende Sportarten sind bei einer geeignet, da sie den Beckenboden kräftigen bzw. ihn nicht zu stark belasten:
 
  • Pilates
  • Yoga
  • Yoga Pilates
  • Walking
  • Radfahren
  • Schwimmen
Empfehlenswert ist es, alle drei Schichten des Beckenbodens zu kräftigen. Ein angenehmer Begleiteffekt einer täglichen Sportroutine ist, dass sie häufig mit einer Gewichtsreduktion einher geht – und die entlastet die Blase. Kombiniert mit Entspannungsübungen, zum Beispiel durch Tai-Chi oder Meditation, kann sich dein Beckenbodentraining auch positiv auf deine Psyche auswirken. Und wenn es dir mental gutgeht, wirst du dich auch körperlich bald besser fühlen. Auf Sportarten wie Tennis oder Joggen solltest du bei einer Blasenschwäche allerdings verzichten, da die Erschütterungen beim Laufen den Beckenboden stark beanspruchen.
 
Tipp: Der innere Schweinehund lässt sich oft besser überwinden, wenn man sich mit einer Freundin zum Training verabredet.

Finde deine Trinkroutine

Genug zu trinken ist bei einer sehr wichtig. Genauso von Bedeutung ist es, darauf zu achten, das richtige Getränk zu wählen. So solltest du möglichst 1,5–2 Liter bzw. 30 ml pro Kilo Körpergewicht am Tag trinken, um nicht nur der Haut und dem Rest des Körpers Gutes zu tun, sondern auch deiner Blase. Trinke dabei gern viel Wasser oder ungesüßten Tee. Besonders spezielle Tees gegen Blasenschwäche, Tee aus Bärentraubenblättern und Brennnesseln sowie Salbei-Tee wirken gegen Bakterien. Die Menge an Flüssigkeit spült die Blase und die Harnwege durch, wodurch du möglichen Harnwegsinfekten vorbeugen kannst. Wenn du mit einer schwachen Blase Probleme hast, solltest du auf koffeinhaltige Getränke (z. B.  Kaffee und schwarzen Tee) und Alkohol verzichten, denn diese wirken harntreibend. Und wenn du mit bzw. verstärktem Harndrang während der Nacht zu tun hast, solltest du ab dem frühen Abend nichts mehr trinken und vor dem Zu-Bett-gehen noch einmal auf die Toilette gehen.
 
Tipp: Lass immer ein gefülltes Glas Wasser gut sichtbar stehen und fülle es sofort wieder auf, nachdem du es ausgetrunken hast. 

Finde deine Ernährungsroutine

Auch die Ernährung kann sich auf deine Harntätigkeit auswirken – positiv wie negativ. Mit den richtigen Lebensmitteln kannst du deine Blase unterstützen, während andere deine Blase reizen oder zu einem verstärkten Harndrang führen können. Welche Lebensmittel dir guttun und welche nicht, lässt sich nicht pauschal sagen. Hier spielen viele Faktoren und individuelle Verträglichkeiten mit hinein. Folgenden Lebensmitteln wird ein positiver Effekt auf die Blasenfunktion zugesagt:
 
  • Joghurt
  • Cranberrys
  • Kürbis und Kürbiskerne
Andere Lebensmittel wirken als natürliche Diuretika (Stoffe, die entwässernd wirken), indem sie die Nierentätigkeit und damit die Urinproduktion anregen. Bei einer sollten sie daher nur in Maßen genossen werden. In unserem Artikel über die richtige Ernährung bei Blasenschwäche erfährst du, welche Lebensmittel du meiden oder bevorzugen solltest.
 
Tipp: Starte ein Ernährungstagebuch, um herauszufinden, welche Lebensmittel deine Blase besonders stark reizen und welche dir besonders guttun.   

Praktische Alltagsroutinen

Lass die nicht deinen Alltag bestimmen. Du kannst noch immer alles machen. Problematische Situationen kannst du mit der richtigen Vorbereitung meist gut umgehen:  
 
  • Vor dem Rausgehen auf die Toilette: Entleere deine Blase, bevor du das Haus verlässt.
  • Bequeme Kleidung: Wähle Kleidung, die dich besonders im Bereich deines Unterleibs nicht einengt, etwa Hosen mit Gummibund oder ein locker sitzendes Kleid.
  • Stilles Wasser für unterwegs: Packe dir immer eine Flasche Waser ein, damit du auch unterwegs ausreichend trinkst.
  • Eine geräumige Tasche: Wähle eine Tasche, in die auch Wechselunterwäsche und Inkontinenzprodukte passen.
  • Inkontinenzprodukte verwenden: Für ein sicheres Gefühl helfen spezielle Inkontinenzeinlagen, die Flüssigkeit geruchsneutral und auslaufsicher einschließen.

Wieder mehr Lebensqualität trotz einer schwachen Blase

Je nach Ursache kann eine auch ein längerfristiges Problem sein. Damit du dein Leben dennoch entspannt genießen kannst, hat TENA eine Reihe von Inkontinenzprodukten für Frauen entwickelt, die für jede Form der den richtigen Schutz bieten: 
 
  • Für das sichere Gefühl bei leichter Blasenschwäche helfen dir die TENA Slipeinlagen, die es in vielen unterschiedlichen Ausführungen und auch in Schwarz gibt. Oder du nutzt die waschbare Inkontinenzunterwäsche, die sich nicht von herkömmlichen Slips unterscheidet.
  • Mit den Einlagen von TENA in verschiedenen Saugstärken bist du für jede Situation gewappnet.
  • Und die TENA Silhouette Pants bieten dir den perfekten Rundumschutz bei mittlerer bis starker Blasenschwäche, etwa nach der Entbindung. 
Mit dem diskreten Schutz von TENA kannst du deine Blasenschwäche getrost vergessen.

Interview zu Inkontinenz mit Prof. Dr. med. Ursula Peschers

TENA:
Herzlich willkommen zu unserem Experteninterview zum Thema „Was tun bei ?“ hier auf tena.de. Begrüßen darf ich Prof. Dr. med. Ursula Peschers, Direktorin des Beckenbodenzentrums der Klinik für Gynäkologie am Isar Klinikum in München. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns und unseren Lesern ein paar wichtige Fragen zu beantworten.

Prof. Dr. med. Peschers:
Gerne.

TENA:
Blasenschwäche ist ja nicht unbedingt ein Thema, das man beim Kaffee mit Freunden bespricht. Viele fühlen sich daher ausgegrenzt und alleingelassen mit der Thematik. Aber stimmt es, dass wirklich so selten ist?

Prof. Dr. med. Peschers:
Inkontinenz ist überhaupt nicht selten! Wir gehen davon aus, dass mindestens 30 Prozent der Frauen nach den Wechseljahren von einer Inkontinenz betroffen sind, die sie auch im Alltag stört. Bei mindestens zehn Prozent aller Frauen ist die Blasenschwäche so stark, dass sie ihr Leben stark beeinträchtigt. Außerdem kann Inkontinenz auch junge Frauen betreffen. Es gibt durchaus Frauen, die mit Ende 20 schon von einer Inkontinenz betroffen sind, z. B. nach einer Geburt.

TENA:
Wenn man sich hinsichtlich der Symptome unsicher ist – ab wann empfehlen Sie, einen Arzt aufzusuchen?

Prof. Dr. med. Peschers:
Ganz eindeutig dann, wenn die Patientin durch die Blasenschwäche so beeinträchtigt ist, dass es sie in ihrem Alltagsleben stört. Wer beim festen Niesen oder während einer Heuschnupfenepisode mal einen Tropfen Urin verloren hat, muss sicherlich nicht zum Arzt gehen. Aber wer einmal oder mehrmals pro Woche auch kleinere Mengen Urin verliert und daraufhin sagt: „Ich gehe jetzt nicht mehr zum Sport“ oder „Ich traue mich nicht mehr, den Kindern auf dem Spielplatz hinterherzurennen“, sollte auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.

TENA:
Welche Untersuchungen oder Informationen sind nötig, um bei einer Blasenschwäche die richtige Diagnose zu stellen?

Prof. Dr. med. Peschers:
Zuerst führt der Arzt ein ausführliches Gespräch mit der Patientin, um zu erfahren, wann die Inkontinenz auftritt. Außerdem wichtig: Wurde die Patientin schon mal operiert? Hat die Patientin Kinder geboren? Bei dieser Basisuntersuchung wird auch geschaut, ob eine Harnwegsinfektion vorliegt. Wir lassen die Patientin in der Regel außerdem ein „Blasentagebuch“ führen: Sie soll drei Tage lang aufschreiben, was und wie viel sie trinkt, und jedes Mal, wenn sie zur Toilette geht, in einem Messbecher auffangen, wie viel Wasser sie lässt. Anhand dieser Informationen können wir in der Regel mit einem konservativen Behandlungsversuch starten. Eine Operation ist noch kein Thema, wir fangen aber schon mal mit Gymnastik oder Medikamenten an.

TENA:
Viele sehen immer noch einen Zusammenhang zwischen den Wechseljahren und Blasenschwäche. Aber gibt es diesen Zusammenhang wirklich?

Prof. Dr. med. Peschers:
Ja, den gibt es eindeutig! Bei vielen Frauen werden die Beschwerden nach den Wechseljahren deutlich schlimmer. Das hat zwei Ursachen: Zum einen ändert sich nach den Wechseljahren die hormonelle Lage – und das ist schlecht für die Kontinenz, also die Fähigkeit, das Wasser zu halten. Zum anderen liegt es natürlich am Alter. Je älter man wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass man inkontinent wird.

TENA:
Könnte es die Inkontinenz abschwächen, wenn ich weniger trinke?

Prof. Dr. med. Peschers:
Prinzipiell eine schlechte Idee! Wenn man weniger trinkt, wird der Urin wesentlich konzentrierter und wirkt umso aggressiver auf die Blase. Drangbeschwerden werden dann tendenziell eher schlimmer als besser. Natürlich bedeutet das nicht, dass man extrem viel trinken sollte. Aber Patientinnen mit einer Blasenschwäche sollten durchaus 1,5 bis 2 Liter am Tag trinken. Zum Beispiel Tees, die nicht harntreibend sind, oder stilles Wasser.

TENA:
Wenn ich z. B. morgens gerne Kaffee trinke und abends ein Glas Sekt – muss ich darauf verzichten?

Prof. Dr. med. Peschers:
Das kommt drauf an. Wenn Sie eine haben, können Sie trinken, was Sie wollen. Wenn Sie eine haben, also eine , und es nicht bis zur Toilette schaffen, sollten Sie harntreibende Stoffe – und dazu gehören eben Koffein und Alkohol – möglichst meiden. Oder Sie planen so, dass eine halbe Stunde nach dem Kaffeetrinken eine Toilette in Reichweite ist. Sie müssen also nicht zwangsläufig verzichten, sollten aber natürlich nicht ausschließlich schwarzen Tee und Kaffee trinken.

TENA:
Sie hatten ganz kurz angesprochen, dass sich pflanzliche Tees positiv auswirken können. Gibt es noch andere pflanzliche Mittel, die sich positiv auf Inkontinenz-Beschwerden auswirken?

Prof. Dr. med. Peschers:
Bei immer wiederkehrenden Harnwegsinfektionen empfehlen wir pflanzliche Arzneimittel oder Blasentees. Aber auch kanadische Preiselbeeren (Cranberryss) sind hilfreich. Kürbiskernmedikamente hingegen, die bei Männern häufig gegeben werden, helfen Frauen in der Regel nicht gut.

TENA:
Welche Tipps können Sie für den Alltag geben? Auf tena.de haben wir schon über die Stärkung der geschrieben. Wie kann ich sie stärken?

Prof. Dr. med. Peschers:
Zuerst einmal muss ich wissen, ob ich meine Beckenbodenmuskulatur überhaupt richtig anspannen kann – der Muskel ist schließlich nicht sichtbar. Das Beckenbodentraining lässt sich ganz wunderbar in den Alltag integrieren, indem man sich zum Beispiel vornimmt: „Immer wenn ich an einer roten Ampel stehe, dann spanne ich zehn Mal den Beckenboden an!“ Aber wichtig: vorher lernen, wie das richtig geht!

TENA:
Ab wann ist das Ausmaß der Blasenschwäche so hoch, dass ich operiert werden muss?

Prof. Dr. med. Peschers:
Das ist natürlich eine sehr individuelle Entscheidung. Wir empfehlen immer, die konservativen Maßnahmen auszureizen. Wenn auch dann noch die Blasenschwäche im Alltag stört, dann empfehlen wir eine Operation. Dabei handelt es sich in der Regel um sehr kleine und relativ komplikationsarme Eingriffe.

TENA:
Ich bedanke mich recht herzlich bei Ihnen, dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns Frage und Antwort zu stehen bei unserem Interview hier auf tena.de!

Prof. Dr. med. Peschers:
Gerne!

FAQs

Suche auf jeden Fall einen Arzt oder eine Ärztin auf, wenn die deine Lebensqualität einschränkt, sie plötzlich schlimmer wird oder Blut im Urin, Fieber, starke Schmerzen sowie ein Harnverhalt auftreten.
Das hängt von den Ursachen deiner ab. Daher ist deine Hausarztpraxis in aller Regel die erste Anlaufstelle. Gegebenenfalls wirst du an eine gynäkologische, urologische oder neurologische Facharztpraxis weitervermittelt. Wenn du ein hormonelles Ungleichgewicht vermutest, kannst du dich direkt an deine Gynäkologin oder deinen Gynäkologen wenden. Fühlst du dich starke belastet, kann auch eine psychotherapeutische Begleitung sinnvoll sein.
Idealerweise führst du ein kombiniertes Ernährungs- und Miktionstagebuch, in dem du sowohl die am Tag verzehrten Lebensmittel und Getränke aufzeichnest als auch deine Toilettengänge. Folgende Punkte sollten enthalten sein:
 
  • Uhrzeit: Trage hier die Zeiten ein, in denen du etwas gegessen oder getrunken hast, auf Toilette warst und Harndrang oder Harnverlust hattest
  • Harndrang: Nutze hier eine Skala z. B. von 1-4
  • Harnverlust: Nutze hier eine Skala z. B. von 1-4
  • Lebensmittel: Trage hier die verzehrten Lebensmittel ein
  • Getränke: Trage hier die verzehrten Getränke ein inkl. Mengenangabe ein
  • Aktivität: Hier kannst du eintragen, ob du z. B. Sport getrieben hast
  • Sonstige Beobachtungen: Hier kannst du z. B. Krankheiten, Stress oder hohe Temperaturen notieren, die sich auf deinen Flüssigkeitshaushalt auswirken können.
Führe das Tagebuch über mehrere Wochen täglich und nutze es auch als Grundlage, wenn du deinen Arzt oder deine Ärztin aufsuchst.

Quellen

  • Röthlisberger, R.; Schneidewind, L. (2026), Vergleich von Beckenbodentrainingsmethoden zur Therapie weiblicher Harninkontinenz. Urologie 65, 64–68. https://doi.org/10.1007/s00120-025-02743-x
  • Fernandes, A. C. N., Jorge, C. H., Weatherall, M., Ribeiro, I. V., Wallace, S. A., & Hay-Smith, E. J. C. (2025). Pelvic floor muscle training with feedback or biofeedback for urinary incontinence in women. The Cochrane database of systematic reviews, 3(3), CD009252. https://doi.org/10.1002/14651858.CD009252.pub2