Kontinenz-Prävention: Beckenbodenübungen in der Pflege

Ein gut trainierter Beckenboden ist eine wichtige Voraussetzung, um Kontinenz und Mobilität bis ins hohe Alter zu erhalten. Bei Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen kann gezieltes Training helfen, Harn- und Stuhlinkontinenz vorzubeugen oder bestehende Beschwerden zu lindern. Pflegekräfte spielen dabei eine entscheidende Rolle: Sie unterstützen, motivieren und passen die Übungen an die individuellen Möglichkeiten der Bewohnerinnen und Bewohner an.

Ältere Frauen tanzen auf einer Wiese Ältere Frauen tanzen auf einer Wiese

Der Beckenboden spielt eine zentrale Rolle für Kontinenz, Körperhaltung und Wohlbefinden. Gerade im Alter nimmt seine Bedeutung zu: Die Muskulatur verliert an Elastizität, hormonelle Veränderungen und Erkrankungen können die Funktion zusätzlich beeinträchtigen. Für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen sind gezielte Beckenbodenübungen daher ein wichtiger Baustein, um Lebensqualität und Selbstständigkeit zu fördern.

Voraussetzungen für die Teilnahme

Nicht jeder Pflegebedürftige profitiert in gleichem Maße von Beckenbodenübungen. Wichtig ist eine sorgfältige Einschätzung. Die Übungen sind besonders für mobile, motivierte und kognitiv fitte Bewohnerinnen und Bewohner geeignet, die Anweisungen verstehen und umsetzen können. Bei Demenz, starker Immobilität oder Schmerzen ist ein aktives Training hingegen nur eingeschränkt durchführbar. In solchen Situationen bietet es sich eher an, auf passive Verfahren zurückzugreifen, wie etwa die Elektrostimulation. Ebenso wichtig ist, dass die Übungen individuell an die körperliche Verfassung angepasst und Vorerkrankungen berücksichtigt werden, beispielsweise Herz-Kreislauf-Beschwerden.

Grundprinzipien für ein erfolgreiches Training

  • Fachliche Anleitung: Der Einstieg in das Beckenbodentraining sollte unter Anleitung von Physiotherapeut*innen oder geschultem Pflegepersonal erfolgen. Gerade am Anfang ist es wichtig, die korrekte Ausführung der Übungen zu erklären, sie individuell anzupassen und auf mögliche gesundheitliche Einschränkungen einzugehen. 
  • Richtige Wahrnehmung: Viele ältere Menschen wissen zunächst nicht genau, wo sich der Beckenboden befindet. Deshalb ist es hilfreich, mit einfachen Wahrnehmungsübungen zu beginnen, um ein Gefühl für die Muskulatur zu entwickeln, bevor gezielte Kräftigungsübungen erfolgen. Eine Möglichkeit, den Beckenboden bewusst wahrzunehmen, besteht beispielsweise darin, den Schließmuskel der Harnröhre sanft zusammenzuziehen, als würde man das Wasserlassen kurz stoppen. 
  • Regelmäßigkeit: Beim Beckenbodentraining zählt vor allem, dass die Übungen regelmäßig durchgeführt werden: Kurze, dafür häufige Trainingseinheiten – etwa fünf bis zehn Minuten, zwei- bis dreimal täglich – sind wirksamer als seltene, lange Übungseinheiten. Kontinuität ist entscheidend für den Erfolg.
  • Geduld und Motivation: Erste Fortschritte lassen meist einige Wochen auf sich warten. Ein geduldiger, motivierender Umgang unterstützt dabei, dranzubleiben und langfristig gute Ergebnisse zu erzielen.

Beckenbodenübungen für Bewohnerinnen und Bewohner

1. Beckenbodenlift im Liegen

  • Auf eine ebene, feste Unterlage legen und Füße hüftbreit aufstellen. 
  • Beckenbodenmuskulatur gezielt anspannen und Becken anheben, sodass der Körper eine schiefe Ebene bildet.  
  • Mit dem Ausatmen die Gesäßmuskulatur fest anspannen und die Beckenbodenmuskulatur zusammenziehen.
  • Die Spannung für etwa 5 bis10 Sekunden halten und das Becken anschließend wieder sinken lassen.
  • Je nach körperlicher Verfassung 5- bis 10-mal wiederholen.
Übung: Beckenbodenlift im Liegen
. Übung: Beckenbodenlift im Liegen

1. Beckenbodenlift im Liegen

  • Auf eine ebene, feste Unterlage legen und Füße hüftbreit aufstellen. 
  • Beckenbodenmuskulatur gezielt anspannen und Becken anheben, sodass der Körper eine schiefe Ebene bildet.  
  • Mit dem Ausatmen die Gesäßmuskulatur fest anspannen und die Beckenbodenmuskulatur zusammenziehen.
  • Die Spannung für etwa 5 bis10 Sekunden halten und das Becken anschließend wieder sinken lassen.
  • Je nach körperlicher Verfassung 5- bis 10-mal wiederholen.
Übung: Beckenbodenaktivierung im Sitzen

2. Beckenbodenaktivierung im Sitzen

  • Aufrecht und mit entspannten Schultern auf einen Stuhl setzen.  
  • Beckenbodenmuskeln so stark wie möglich anspannen, ohne dabei andere Muskelpartien mitzubeanspruchen. Die Bewohner können sich dabei vorstellen, den Beckenboden wie einen Fahrstuhl nach oben fahren zu lassen. 
  • Die Spannung für etwas 5 bis 10 Sekunden halten und anschließend vollständig entspannen – der Fahrstuhl gleitet wieder langsam nach unten.  
  • Je nach körperlicher Verfassung 5- bis 10-mal wiederholen.

3. Beckenbodenübung im Stehen

  • Aufrecht hinstellen, die Füße etwa hüftbreit auseinander. 
  • Bewohner, die nicht lange stehen können, dürfen sich dabei auch an einem Stuhl festhalten.  
  • Die Hände auf das Gesäß legen.
  • Beckenboden anspannen, indem die Muskeln nach oben und innen gezogen werden – Gesäß, Bauch und Oberschenkel bleiben locker. 
  • Die Hände kontrollieren, dass die Gesäßmuskeln nicht angespannt werden.
  • Während der Anspannung ruhig weiter atmen.
  • Die Spannung 5 bis 8 Sekunden halten und wieder entspannen.
  • Je nach körperlicher Verfassung 5- bis 10-mal wiederholen.
Übung: Beckenbodenübung im Stehen
. Übung: Beckenbodenübung im Stehen

3. Beckenbodenübung im Stehen

  • Aufrecht hinstellen, die Füße etwa hüftbreit auseinander. 
  • Bewohner, die nicht lange stehen können, dürfen sich dabei auch an einem Stuhl festhalten.  
  • Die Hände auf das Gesäß legen.
  • Beckenboden anspannen, indem die Muskeln nach oben und innen gezogen werden – Gesäß, Bauch und Oberschenkel bleiben locker. 
  • Die Hände kontrollieren, dass die Gesäßmuskeln nicht angespannt werden.
  • Während der Anspannung ruhig weiter atmen.
  • Die Spannung 5 bis 8 Sekunden halten und wieder entspannen.
  • Je nach körperlicher Verfassung 5- bis 10-mal wiederholen.

Rolle der Pflegekräfte beim Beckenbodentraining

Pflegekräfte spielen eine zentrale Rolle für den Erfolg des Beckenbodentrainings. Sie können Bewohnerinnen und Bewohner motivieren, sie aktiv zum Mitmachen ermuntern und kleine Fortschritte loben, um die Motivation aufrechtzuerhalten. Dabei ist es wichtig, stets auf die Privatsphäre und eine angenehme Trainingsumgebung zu achten. Nur so fühlen sich die Bewohnerinnen und Bewohner wohl und können sich auf die Übungen konzentrieren. 

Während des Beckenbodentrainings sollte die richtige Haltung und Atmung erklärt werden, damit die Übungen korrekt ausgeführt werden und der Trainingseffekt optimal ist. Darüber hinaus sollten die Fortschritte der Bewohnerinnen und Bewohner dokumentiert werden. Das hilft, den Trainingsplan individuell anzupassen. Sollten Schmerzen auftreten oder Unsicherheit bestehen, ist es wichtig, das Training sofort zu unterbrechen und gegebenenfalls fachliche Beratung einzuholen. 

Unabhängigkeit und Lebensqualität sichern

Beckenbodenübungen sind ein wirksamer Bestandteil der Kontinenzförderung bei Bewohnerinnen und Bewohnern. Sie helfen, Unabhängigkeit und Lebensqualität zu sichern – vorausgesetzt, sie werden fachgerecht angeleitet, individuell angepasst und regelmäßig durchgeführt. Pflegekräfte können durch Motivation, Anleitung und empathische Begleitung entscheidend dazu beitragen, dass ältere Menschen von dieser einfachen, aber wirkungsvollen Maßnahme profitieren.