Mit Beckenbodentraining lässt sich einerseits Inkontinenz vorbeugen, andererseits können bereits vorhandene Symptome gelindert werden. Durch gezielte Übungen werden die Beckenbodenmuskeln gestärkt, was die Kontrolle über Blase und Darm unterstützt. Regelmäßiges Training kann somit dazu beitragen, das Risiko für Harn- und Stuhlinkontinenz zu verringern und die körperliche Stabilität im Beckenbereich langfristig zu erhalten. Der Nutzen von Beckenbodentraining ist vor allem bei Frauen nachgewiesen. Für Männer gibt es bislang nur wenige Hinweise auf eine Wirksamkeit.
Das Training sollte von Physiotherapeut*innen oder entsprechend geschultem Fachpersonal begleitet werden. Ob die Übungen bei einzelnen Bewohnerinnen und Bewohnern durchgeführt werden können, muss individuell entschieden werden, da sie für ältere Menschen oder Personen mit körperlichen oder kognitiven Einschränkungen möglicherweise ungeeignet sind. Hier haben wir für Sie spezielle Beckenbodenübungen zur Kontinenzförderung in der Pflege zusammengestellt.
Unterstützende Technik beim Beckenbodentraining
- Biofeedback: Die Biofeedback-Methode eignet sich vor allem für mobile Bewohnerinnen und Bewohner ohne kognitive Einschränkungen. Dabei trainieren sie ihre Beckenbodenmuskulatur eigenständig. Spezielle Geräte mit Sensoren zeigen über einen Bildschirm oder eine App in Echtzeit, ob die Muskeln korrekt angespannt werden. Ziel der Methode ist es, die Kontrolle über die Beckenbodenmuskulatur zu verbessern.
- Elektrostimulation: Die Elektrostimulation wird vor allem bei weniger mobilen oder kognitiv eingeschränkten Personen eingesetzt. Dabei übernimmt ein Gerät das Training der Beckenbodenmuskulatur: Es sendet kleine elektrische Impulse, die die Muskeln stimulieren. Die Bewohnerinnen und Bewohner müssen dabei nichts aktiv tun, da die Muskeln durch die Impulse automatisch arbeiten.
- Vaginalkonen: Vaginalkonen sind ein einfaches Hilfsmittel zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur. Die Konen sind kleine, meist aus Kunststoff oder Metall gefertigte Gewichte, die in die Vagina eingeführt werden. Ziel ist es, die Beckenbodenmuskulatur aktiv anzuspannen, um die Konen zu halten und ein Herausfallen zu verhindern. Durch regelmäßiges Training mit den Konen wird die Muskelkraft gezielt verbessert, was die Kontrolle über Blase und Beckenboden unterstützt und das Risiko für Harninkontinenz verringern kann.
- Magnetfeldstimulation: Die Magnetfeldstimulation ist eine nicht-invasive Methode zur Behandlung von Harninkontinenz. Dabei wird ein elektromagnetisches Feld genutzt, um die Beckenbodenmuskulatur gezielt zu aktivieren. Die Muskeln ziehen sich durch die Impulse zusammen, ohne dass die betroffene Person aktiv etwas tun muss. Diese Methode eignet sich insbesondere für Bewohnerinnen und Bewohner, die körperlich eingeschränkt oder in der Durchführung aktiver Beckenbodenübungen unsicher sind. Auch bei Pflegebedürftigen mit kognitiven Einschränkungen kann sie eine gute Alternative darstellen. Bislang fehlen jedoch belastbare wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit der Magnetfeldstimulation.
- Vibrationstraining: Vibrationstraining ist eine Methode, bei der sanfte mechanische Schwingungen genutzt werden, um die Beckenbodenmuskulatur zu aktivieren. Die Vibrationen regen die Muskeln an, sich zusammenzuziehen, und können so die Muskelkraft und die Kontrolle über Blase und Beckenboden verbessern. Das Training erfolgt häufig auf speziellen Geräten, wie Vibrationsplatten oder Sitzvorrichtungen, die die Impulse direkt auf den Beckenboden übertragen. Es ist besonders für Personen geeignet, die Schwierigkeiten haben, aktive Beckenbodenübungen selbstständig durchzuführen. Bislang gibt es jedoch nur begrenzte wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit des Vibrationstrainings bei Harn- oder Stuhlinkontinenz.