Reizblase

Die überaktive Blase steht an erster Stelle der chronischen Erkrankungen und tritt noch häufiger als Diabetes mellitus oder Asthma auf.1 Besonders Erwachsene leiden unter der unangenehmen Erkrankung, die die Lebensqualität stark beeinflussen kann. Im folgenden Artikel erfahren Sie, welche Formen der Reizblase existieren und was Sie tun können, um den Alltag wieder unbeschwert genießen zu können.

Was ist eine Reizblase?

Der Begriff Reizblase, auch überaktive Blase genannt, bezeichnet sammelnd Funktionsstörungen der Blase, die nicht durch Entzündungen entstanden sind.2 Bei einer Reizblase wird dem Gehirn fälschlicherweise das Gefühl einer vollen Blase übermittelt.3 Es liegt somit ein chronischer Reizzustand vor, bei dem sich die Blase stark zusammenzieht und den Urin entweichen lässt während die Beckenbodenmuskulatur rund um die Harnröhre den Urin nicht stoppen kann. Dadurch leidet der oder die Erkrankte unter schmerzhaftem Harndrang.4

Formen der Reizblase

Man unterscheidet zwischen zwei Formen der Reizblase: die trockene überaktive Blase, ohne Inkontinenz (OAB OverActiveBladder dry), und die nasse überaktive Blase, mit Inkontinenz (OverActiveBladder wet).5 Ist die Reizblase von Inkontinenz, also unfreiwilligem Harnverlust, begleitet, spricht man auch von einer Dranginkontinenz.6 Es treten aber auch Mischformen auf.

Symptome der Reizblase

Die beiden Hauptsymptome einer Reizblase sind häufiger Harndrang, der mehr als acht Mal in 24 Stunden (Pollakisurie) auftritt, oder plötzlich auftretender unkontrollierbarer Harndrang (imperativer Harndrang). Mehrfaches nächtliches Erwachen durch den Drang die Toilette aufsuchen zu müssen, zählt ebenfalls zu möglichen Symptomen.7 Der Urin ist klar und ohne krankhaften Befund, sodass es sich nicht wie oft vermutet um eine Blasenentzündung handelt.8 Typische Symptome einer Blasenentzündung wie Brennen beim Wasserlassen, Blut im Urin, getrübter Urin oder erhöhte Temperatur bleiben aus.

Ursachen

Die eigentliche Ursache einer Reizblase ist bis heute nicht geklärt und kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Eine Reizblase kann aus einer vorhergegangenen Blasenentzündung oder einer Nierenbeckenentzündung entstehen, oft tritt sie aber auch unabhängig davon auf.9 Hormonelle Störungen, Angst, Stress oder Operationen können eine Reizblase hervorrufen, so wie kalte Getränke, kühles oder nasses Wetter. Auch Aufregung oder Geschlechtsverkehr können die Symptome auslösen und verstärken.10 Die Nerven in der Blase sind sehr empfindlich und reagieren sensibel auf seelische und psychische Belastung oder Veränderung im Nervensystem. Daher wird vermutet, dass die Reizblase häufig psychosomatischer Natur ist, also eine neurologische Blasenstörung vorliegen kann.11 Bei Männern kann eine vergrößerte Prostata die Ursache dafür sein.

Therapie und Behandlung

Falls die Ursache identifiziert werden kann, ist eine gezielte Behandlung möglich. Mit Medikamenten, Entspannungsübungen, Kontinenztraining, pflanzlichen Mitteln, Physiotherapie oder Psychotherapie wird versucht, die Reizblase zu therapieren.

Häufig können durch Medikamente, welche entspannend und entkrampfend auf die Blasenmuskulatur wirken, gute Ergebnisse erzielt werden. Für eine genaue Diagnose und individuelle Behandlung ist es ratsam, einen Facharzt zu konsultieren. Neben der medikamentösen Behandlung ist ein Trink- und Kontinenztraining unbedingt zu empfehlen.12 Vor allem durch Beckenbodentraining und Blasentraining lassen sich die Symptome einer Harninkontinenz, explizit einer Reizblase, gut behandeln. Die Stärkung des Beckenbodens und somit auch der umliegenden Muskulatur, hat überaus positive Wirkung auf die Kontrollfähigkeit der Blase. Außerdem hat diese Art der Behandlung auch eine prophylaktische Wirkung.

Im homöopathischen Bereich sind pflanzliche Mittel zu finden, die beruhigend auf die Blase wirken und die Muskulatur der Blase entspannen, wie z.B. Kürbiskerne, Baldrian oder Birke.13 Falls seelische Probleme Ursache der Reizblase sind, sollten Sie eine Therapie in Betracht ziehen, da die Psyche und das Nervensystem eng in Verbindung mit dem Ausscheidungsverhalten stehen. Häufig wird mithilfe eines Miktionstagebuchs gearbeitet. In einem Miktionsprotokoll (lat. miktion = Urinausscheidung) notiert die betroffene Person die Häufigkeit und die Zeitabstände der Toilettengänge. Daraus kann der Arzt Rückschlüsse auf eine eventuelle Fehlfunktion ziehen und die Gründe für den verstärkten Harndrang erkennen.14 Beliebte Therapieansätze stammen aus dem Bereich der Physiotherapie und bieten gezielte Massagen (die eine Wirkung auf den gesamten Körper haben) oder Gymnastik und Bewegungstherapie (die Einfluss auf Stoffwechsel und Psyche haben) an.15 Generell helfen Entspannungsübungen jeglicher Art, z.B. autogenes Training oder die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen. Bei der progressiven Muskelentspannung werden alle Muskeln nacheinander angespannt, also auch die Muskeln der Blase. Dadurch lassen sich die Blasenmuskulatur und auch der Harndrang besser kontrollieren.16

Praktische Tipps (für den Alltag)

Ist die Reizblase von Inkontinenz, also unfreiwilligem Harnverlust, begleitet, wie eingangs erwähnt Dranginkontinenz17 gibt es Hilfsmittel, die den Betroffenen den Alltag erleichtern können. Produkte wie Inkontinenzunterwäsche oder auch Inkontinenzbinden bieten Dreifachschutz: schnelle Trockenheit, hohe Saugfähigkeit und speziellen Geruchsschutz. Damit fühlt man sich im Alltag sicherer, falls man es mal nicht rechtzeitig zur Toilette schaffen sollte.

Ergänzende Informationen:

Eine Reizblase wird auch als überaktive Blase, Dranginkontinenz oder nasse bzw. trockene überaktive Blase bezeichnet. Unteraktive und überaktive Blase fallen beide unter den Begriff „Blasenfunktionsstörung“.

Für persönliche Informationen und Diagnosen raten wir einen Arzt zu konsultieren. Nur dieser kann Ihnen detaillierte Informationen zu Ihrer Person und Ihrem Krankheitsbild liefern und die richtige Behandlung für Ihre Beschwerden vorschlagen. Für weitere Informationen rund um das Thema Blase, Harndrang und Inkontinenz können Sie einen Blick in unser Glossar werfen.





1www.kvberlin.de/40presse/30kvblatt/2010/06/50_medizinthema/kvbr.pdf, S. 34.
2Archives of Gynecology and Obstetrics: Dr. J Heidenreich, Ch. Frantzen. 1975. S. 202
3Freimann, Anne: Wege aus der Blasenschwäche. 2007. S.31
4W. Distler: Reizblase und Dranginkontinenz
5Wein A., Chapple C.: Overactive Bladder in Clinical Practice S.2f
6Friedrich D.: Inkontinenz S.41
7Friedrich D.: Inkontinenz S.41
8Bühring, Ursel: Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde
9Ebd., S.38.
10Freimann A.: Wege aus der Blasenschwäche. 2007. S.29
11Marbach E.: Gesundheitsratgeber Blasenentzündung S.38
12Friedrich D.: Inkontinenz Multiple Sklerose S.42
13Freimann A.: Wege aus der Blasenschwäche. 2007. S.31
14Freimann A.: Wege aus der Blasenschwäche. 2007. S.30
15Fischer W., Kölbl H.: Urogynäkologie in Praxis und Klinik S.143
16Freimann A.: Wege aus der Blasenschwäche. 2007. S.31
17Friedrich D.: Inkontinenz S.41