Nykturie

Als Nykturie bezeichnet man nächtlichen Harndrang, der Betroffene mehrfach nachts aus dem Schlaf erweckt.

Wenn nächtlicher Harndrang den Schlaf raubt

Unser Schlaf ist eines der höchsten Güter die es gibt. Die meisten Menschen empfinden Schlaf als erholende und wohltuende Zeit. Genau das ist es auch was Schlaf mit uns macht, ohne dass wir es bewusst mitkriegen. Unsere nächtliche Ruhe wirkt sich auf viele gesundheitliche Bereiche unseres Körpers aus, ob Stoffwechsel oder das Gleichgewicht unserer Organe. Umso ärgerlicher ist es also, wenn unsere Gesundheit uns bereits einen Strich durch die Rechnung macht, bevor wir uns durch Schlaf um Sie kümmern können. Vielleicht ist es Ihnen schon einmal passiert, dass Sie nachts wach geworden sind und dringend auf die Toilette mussten. Unweigerlich unterbricht man seine nächtliche Ruhe und geht schlaftrunken ins Bad um das unwohle Gefühl des Harndrangs zu beseitigen. Doch unwohl und lästig wird dieses Gefühl besonders dann, wenn man mehrmals in der Nacht wach wird und das Gefühl hat, man müsse dringend Wasserlassen. Der medizinische Fachausdruck dafür ist Nykturie. Zugegeben, wenn Sie einmal in der Nacht wach werden, weil Sie Harndrang verspüren, ist das nicht unbedingt ein Anzeichen für eine Nykturie – vor allem wenn Sie am Abend zuvor viel Flüssigkeit oder Alkohol, oder generell viel Kaffee getrunken haben.

Wann spricht man also von einer Nykturie?

Eine Nykturie liegt in der Medizin dann vor, wenn der Patient mehrmals, aber mindestens zwei Mal in der Nacht durch starken Harndrang wach wird und zum Wasserlassen aufstehen muss. Das schließt nicht aus, dass auch tagsüber ein vermehrter Harndrang zu verspüren ist. Dabei ist eine Nykturie klar von einer Enuresis abzugrenzen. Bei einer Nykturie ist es der Harndrang der Sie wach macht und zum Aufstehen zwingt, während eine Enuresis das ungewollte, nächtliche Wasserlassen im Bett bezeichnet. Beides ist nicht ungewöhnlich und vor allem die Nykturie tritt im Alter sehr häufig auf. Sie brauchen sich also nicht ertappt oder besorgt fühlen. Wichtig ist nur, dass Sie in jedem Fall einen Arzt konsultieren, um die Ursache auszumachen und die Nykturie zu behandeln. Vor allem die Behandlung ist sehr wichtig, da Ihr Schlaf wichtig für Ihre allgemeine Gesundheit ist und auf lange Zeit nicht stetig unterbrochen werden sollte.

Komplikationen bzw. Folgeerscheinungen

Nykturie wird vor allem dann unangenehm, wenn man sie lange Zeit unbehandelt lässt. Das hat zur Folge, dass Sie tagsüber Symptome wie Schläfrigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit verspüren. Oft wird das durch Kopfschmerzen ausgelöst oder noch verstärkt. Dazu kommt, dass der Schlaf das allgemeine Wohlbefinden beeinflusst. Ein Mangel an Schlaf durch nächtlichen Harndrang kann dadurch schnell auch aufs Gemüt schlagen und depressive Stimmungen auslösen. In gehobenem Alter bestehen sogar Zusammenhänge zwischen dem Schlafmangel durch das vermehrte nächtliche Wasserlassen und der Wahrscheinlichkeit auf einen Sturz und Oberschenkelhalsbruch in weiterer Folge. Die Sturzgefahr ist dann etwa doppelt so hoch.

Vermeiden oder Behandeln von Nykturie

Wenn Sie feststellen, dass Sie Symptome einer Nykturie haben, oder bereits Folgeerscheinungen bei sich feststellen, wird es Zeit eine passende Behandlung einzuleiten. Die passende Behandlung hängt jedoch auch immer von der Schwere und Ursache der Erkrankung ab. Damit Sie und Ihr Hausarzt besser einschätzen können welche Behandlung angewendet werden sollte, ist es ratsam ein Miktionstagebuch zu führen. Dies ist eine Art Tagebuch über das Wasserlassen und die Kontrolle der Blase. Vor allem zur Kontrolle der Blase wird ein gezieltes Beckenbodentraining und Blasentraining empfohlen. Dieses kann Ihnen nicht nur bei einer Erkrankung der Blase helfen, sondern vor allem auch dem Ganzen vorzubeugen. Je nach dem muss zusätzlich mit einer medikamentösen Behandlung gerechnet werden. Auch operative Maßnahmen an Blase oder bei Männern an der Prostata sind nicht auszuschließen. Das zeigt, dass die passende Therapie nicht nur von der Schwere der Nykturie abhängig ist, sondern auch von der Ursache. Daher ist der Besuch beim Hausarzt sehr wichtig, um Schwere und Ursache zu klären.

Nykturie Ursachen

Wenn es darum geht die Ursache für die Erkrankung zu finden unterscheidet man grundsätzlich darin, ob die Funktion der Harnblase gestört oder eingeschränkt ist, oder ob eine vermehrte nächtliche Urinproduktion vorliegt.

Funktion der Harnblase eingeschränkt oder gestört

Wenn die Funktion Ihrer Blase eingeschränkt oder gestört ist, ist dies Indiz für eine Reihe möglicher Ursachen. Die Häufigsten sind dabei:
  • Infektion
  • Tumor
  • Blasensteine
  • Beckenbodenschwäche
  • Restharnbildung

Vermehrte nächtliche Urinproduktion:

Die Alternative zur eingeschränkten oder gestörten Harnblasenfunktion ist, dass Ihre Blase über Nacht vermehrt Urin produziert. Das kann wiederum folgende Ursachen haben:
  • Erkrankungen die mit Ödemen einhergehen
  • Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom
  • Zuckerkrankheit
  • Vermehrte Einnahme von Koffein oder Alkohol oder Getränken mit harntreibender Wirkung
  • Generelle exzessive Flüssigkeitsaufnahme
  • Alzheimer

Verwandte Erkrankungen

Als verwandte Krankheit der Nykturie ist die Polyurie anzusehen. Diese ist sehr ähnlich und für Patienten oftmals nicht von einer Nykturie zu unterscheiden. Polyurie ist in der Medizin der Fachausdruck dafür, dass eine grundsätzlich krankhaft erhöhte Urinausscheidung vorliegt. Die festgesetzte Menge dabei ist für einen erwachsenen Patienten bei deutlich mehr als zwei Liter pro Tag. Bei einer Polyurie kommt es natürlich auch zum nächtlichen Wasserlassen. Dieses fällt den meisten Patienten mehr auf, als der häufige Toilettengang am Tag. Daher kann es bei der Diagnose schnell zu einer Verwechslung kommen. Das ist mit ein Grund, warum Sie zur genauen Diagnose ein Miktionsprotokoll führen sollten. Da die Unterscheidung nicht so einfach ist gilt: Nicht selber therapieren! Sollten Sie das Gefühl haben, dass die beschriebenen Symptome zu Ihnen passen, ziehen Sie Ihren Hausarzt zurate. Nur dieser kann Ihnen detaillierte und persönliche Informationen geben.



1http://www.ksta.de/freizeit/gesunder-schlaf-fuer-alle-koerperbaustellen-schlafen-fuer-den-stoffwechsel,15190120,32102558.html Bezugnahme auf den Vortrag von Dr. Ingo Froböse vom 19.10.2015 im Gürzenich in 50667 Köln
2Merche, N., Brandt, I.: Pflege konkret – Innere Medizin. 2013. S.339
3Füeßl, H., Middeke, M.: Duale Reihe – Anamnese und Klinische Untersuchung. 2014. S.315
4https://de.wikipedia.org/wiki/Nykturie
5https://de.wikipedia.org/wiki/Polyurie