Harnwegsinfektion

Eine Harnwegsinfektion ist eine Infektion der ableitenden Harnwege – man unterscheidet zwischen oberen und unteren Harnwegen. Als obere Harnwege werden Harnleiter und Nieren (Ureter), als untere Harnwege Blase und Harnröhre (Urethra) bezeichnet.

Was sind die verschiedenen Arten der Harnwegsinfektion?

Die Unterkategorien des Harnweginfekts werden nach Lage der Infektion gebildet. So gehören die Blasenentzündung (Zystitis) und die Harnröhrenentzündung (Urethritis) auch zu der Kategorie der Harnwegsinfektion.1 Bekannte Symptome für eine Harnwegsinfektion sind Brennen oder auch Schmerzen beim Urinieren (Dysurie) sowie häufiges nächtliches Wasserlassen (Nykturie) und allgemein, häufiger Harndrang und Wasserlassen mit kleinen Harnmengen (Pollakisurie).2 In seltenen Fällen findet sich auch Blut im Urin. Wenn die Infektion bis in die Nieren (Pyelonephritis) vordringt, kann es auch zu Fieber, Rückenschmerzen im Bereich der Nieren und Schüttelfrost kommen.

Wie kommt es dazu?

Es kommt auf unterschiedlichen Wegen zu einer Harnwegsinfektion. Eine Harnwegsinfektion ist meistens aufsteigend, das heißt Erreger treten von außen in die Harnröhre ein und können bis in die Nieren aufsteigen. Dies geschieht oftmals aufgrund mangelnder Intimhygiene, wodurch Keime vom After in die Harnröhre eindringen. Erreger können auch beim Geschlechtsverkehr in die Harnwege gelangen. Durch eine Obstruktion oder Verengung der Harnröhre kann es ebenfalls zu einem Infekt kommen, da sich aufgrund eines Harnstaus, Keime in die Schleimhaut der Harnröhre einnisten können.3 Zu den möglichen Erregern, die zu einer Infektion führen können, gehören die Eschericha coli Bakterien sowie sexuell übertragbare Bakterien wie Chlamydia trachomatis.4

Komplizierte und unkomplizierte Harnwegsinfektion

Um eine Harnwegsinfektion zu behandeln, ist es wichtig die Ursache zu kennen – ob sie zum Beispiel durch Keime von außerhalb (während des Geschlechtsverkehrs, mangelnder Hygiene, Katheter) oder eine Obstruktion (Prostatavergrößerung, angeborene Verengung o. Anomalie der Harnwege) entstanden ist. Zudem teilt man eine Harnwegsinfektion aufgrund von verschiedenen Faktoren ein. Oftmals nimmt man die Kategorisierung von kompliziert und unkompliziert vor. Man spricht von einer unkomplizierten Harnwegsinfektion, wenn keine Anomalien, keine Grunderkrankungen/Begleiterkrankungen oder auch Komplikationen vorliegen.5 Eine komplizierte Harnwegsinfektion liegt vor, wenn der oder die Betroffene Teil einer Risikogruppe ist, z.B. schwangere Frauen, oder eine andere Grunderkrankung (z.B. Diabetes mellitus) vorliegt. Generell werden Harnwegsinfekte bei Männern, Kindern und Schwangeren zuallererst immer als kompliziert eingestuft.6

Wer ist von Harnwegsinfektionen betroffen?

Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Das liegt an den Unterschieden zwischen den beiden Harnsystemen. So liegt die Öffnung der Harnröhre näher am After und ist zudem wesentlich kürzer, als die des Mannes. Die Erreger haben einen viel kürzeren Weg in die Blase, weswegen Frauen wesentlich häufiger von einer Harnwegsinfektion, wie auch von einer Blaseninfektion betroffen sind. Der Körper einer schwangeren Frau macht verschiedene physiologische Veränderungen mit, die unter anderem auch die Harnleiter betreffen, dazu gehören die gesteigerte Nierenfunktion und die veränderte Lage der Blase.7 Der Östrogenmangel bei einer postmenopausalen Frau (Frauen nach den Wechseljahren) begünstigt Harnwegsinfekte ebenfalls, da Schleimhäute im Genitalbereich schlechter durchblutet werden, wodurch der pH-Wert der Scheide ansteigen kann und somit leichter Bakterien und Keime eindringen und sich vermehren können.8 Dank ihrer Anatomie ist es bei Männern oftmals unwahrscheinlich, dass sie durch das Eindringen eines Erregers erkranken, weswegen eine funktionelle oder anatomische Störung als Ursache eines Harnwegsinfekts wahrscheinlicher ist.9 Eine Infektion durch die Obstruktion der Harnleiter tritt bei Männern gerade im höheren Alter häufig auf, wenn diese mit einer gutartigen Vergrößerung der Prostata zu kämpfen haben, die die Harnröhre verengt. Der Urin kann nicht abfließen, wodurch es zu einer Überlaufinkontinenz und Infektion kommen kann. Auch ein (Dauer-)Katheter kann zu einem Harnwegsinfekt führen. Neben einer Obstruktion können in den Harnwegen gebildete Steine ein Risiko für eine Infektion der Harnwege darstellen.

Anamnese & Diagnose

Im Gespräch mit einem Arzt wird dieser oder diese herausfinden wollen, wie oft es bei dem Betroffenem am Tag zur Miktion kommt, welche Mengen dabei etwa ausgeschieden werden und welche Begleiterscheinungen beim Wasserlassen zudem auftreten (z.B. Brennen, Schmerzen, erschwertes Wasserlassen). Zudem wird er oder sie Informationen zum Lebensstil, möglichen Krankenhausaufenthalten und Grunderkrankungen erfragen. Mithilfe einer Urinuntersuchung kann dann eine genauere Diagnose erstellt werden.

Behandlung von Harnwegsinfektionen

Sollten die Symptome länger als 3 Tage anhalten, empfehlen wir Ihnen einen Arzt aufzusuchen, der eine genaue Diagnose stellen kann und eventuell Medikamente, wie Antibiotika, verschreiben kann. Bei einer unkomplizierten Harnwegsinfektion können mithilfe eines Antibiotikums Erreger eliminiert werden.10 Aufgrund der Schwierigkeiten bei der Behandlung von Schwangeren, sollten Schwangere, wenn ihnen mögliche Symptome auffallen, sofort einen Arzt aufsuchen, der mithilfe einer Untersuchung des Urins eine genauere Diagnose erstellen kann.

Mögliche Präventivmaßnahmen

Empfohlen wird oftmals genug zu trinken (z.B. Wasser oder harntreibende Tees). Durch die ausreichende Flüssigkeitsaufnahme werden Nieren, Harnwege und Blase durchgespült und mögliche Keime und Erregern aus den Harnwegen gespült. Zusätzlich kann eine verbesserte Toilettenhygiene die Chance einer Infektion verringern.

1 Neumann, Gerd; Schäfer, Axel; Mendling, Werner: Phasenkontrast-Mikroskopie in der Frauenarztpraxis, S. 226.
2 Hautmann, Richard: Urologie 4, S. 29.
3 Menche, Nicole; Brandt, Ina: Pflege konkret. Innere Medizin, S. 349.
4 Neumann, Gerd; Schäfer, Axel; Mendling, Werner: Phasenkontrast-Mikroskopie in der Frauenarztpraxis, S. 226.
5 Neumann, Gerd; Schäfer, Axel; Mendling, Werner: Phasenkontrast-Mikroskopie in der Frauenarztpraxis, S. 227.
6 Kuhlmann, Ulrich; Böhler, Joachim; Luft, Friedrich C.; Alscher, Mark Dominik; Kinzendorf, Ulrich: Nephrologie: Pathophysiologie – Klinik – Nierenersatzverfahren, S. 534.
7 Schmelz, Hans. U., Sparwasser, Christoph; Weidner, Wolfgang.: Harninkontinenz im Erwachsenenalter, S. 58.
8 Hautmann, Richard: Urologie, S. 369.
9 Kuhlmann, Ulrich; Böhler, Joachim; Luft, Friedrich C.; Alscher, Mark Dominik; Kinzendorf, Ulrich: Nephrologie: Pathophysiologie – Klinik – Nierenersatzverfahren, S. 551.
10 Harninkontinenz im Erwachsenenalter, S. 68.