Häufiger Harndrang

Man spricht von häufigem Harndrang oder vermehrtem Wasserlassen, wenn die durchschnittliche Menge des Urins überschritten wird oder die Anzahl der Toilettengänge höher ist als durchschnittlich. Die Urinmenge ist abhängig vom Alter und der täglichen Trinkmenge. Der medizinische Begriff für häufiges Wasserlassen lautet Polyurie.

Wann spricht man von häufigem Wasserlassen bzw. Blasenentleerung?

Unter Blasenentleerung versteht man das Urinieren oder Wasserlassen. Dieser Vorgang wird durch das Nervensystem gesteuert. Während der Wechseljahre, einer Schwangerschaft oder im Alter kann es häufig zu Störungen bei der Blasenentleerung kommen. Häufiges Urinieren bzw. häufiger Harndrang ist eine der häufigsten Blasenentleerungsstörungen und betrifft sowohl Frauen als auch Männer. Das Symptom des häufigen Harndrangs wird als Pollakisurie bezeichnet. Es ist nicht immer einfach möglich zwischen häufigem Urinieren mit normaler Harnmenge (weniger als 2 Liter/Tag: Pollakisurie) und häufigem Wasserlassen großer Urinmengen (mehr als 2,5-3 Liter/Tag: Polyurie) zu differenzieren. Sprich: Der Unterschied zwischen Polyurie und Pollakisurie besteht darin, dass die Menge des Harns bei einer Polyurie höher ist als die Masse gewöhnlicher Ausscheidungsmenge. Wenn der Urin 24 Stunden lang gesammelt wird, kann eine genaue Aussage getroffen werden - was in der Praxis oft schwierig umzusetzen ist.

Arten des vermehrten Urinierens und deren Ursachen

Frauen und Männer können gleichermaßen unter vermehrtem Wasserlassen leiden, dennoch sind die Ursachen je nach Geschlecht meistens unterschiedlicher Herkunft. Man sollte in jedem Fall einen Arzt oder Urologen konsultieren, um die Ursache für das vermehrte Wasserlassen herauszufinden und das Symptom gezielt zu lindern und zu kurieren.

Polyurie:

Polyurie ist im alltäglichen Sprachgebrauch besser bekannt unter dem Begriff Blasenschwäche, aber auch häufiger Harndrang oder vermehrtes Wasserlassen sind Bezeichnungen. Es handelt sich hierbei um keine Erkrankung, sondern sie ist das Symptom mehrerer Krankheiten. Bei einer Polyurie werden bis zu 3 Liter Harn und mehr innerhalb von 24 Stunden ausgeschieden, statt einer Normalmenge von 1-2 Liter. Die erhöhte Harnausscheidung bringt auch ein starkes, ständiges Durstgefühl mit sich, um den Flüssigkeitsverlust durch das vermehrte Urinieren auszugleichen. Wenn man mehr Flüssigkeit als gewöhnlich zu sich nimmt, was bei starkem Durstgefühl natürlich ist, steigt auch die Menge des Harns, welcher sich in den Nieren bildet. Mögliche Ursachen für ein starkes Durstgefühl können Erkrankungen wie Diabetes, Herzschwäche, eine Blasenentzündung oder akutes Nierenversagen sein. Aber auch der Konsum von Alkohol und Kaffee oder die Einnahme von manchen Medikamenten wirken diuretisch, also harntreibend, und regen in manchen Fällen das Durstgefühl vermehrt an. Bei mehr Flüssigkeitsausscheidung als Flüssigkeitsaufnahme gibt es zusätzlich Symptome einer Dehydration.

Pollakisurie:

Auch die Pollakisurie wird umgangssprachlich als Blasenschwäche, häufiger Harndrang oder starker Harndrang bezeichnet – ähnlich wie die Polyurie. Im alltäglichen Sprachgebrauch unterscheiden viele nicht zwischen Pollakisurie und Polyurie, was auch daran liegen kann, dass die beiden Symptome generell nicht einfach zu differenzieren sind, es sei denn man misst die ausgeschiedene Harnmenge oder fertigt ein Miktionsprotokoll an. Ursachen für Pollakisurie können Harnwegsinfekte, Verletzungen der Harnröhre oder Tumorbildung in der Harnblase und –röhre sein. Ebenso können Probleme neurologischer oder psychologischer Natur ursächlich für häufigen Harndrang mit wenig Harnausscheidung sein. Eines der Hauptsymptome der Reizblase ist häufiger Harndrang mit geringer Urinausscheidung, welche oft psychischen Problemen zu Grunde liegt. Bei Männern kann auch eine gutartige Prostatavergrößerung Ursache für häufiges Wasserlassen sein. Falls eine gutartige Prostatavergrößerung vorliegt, ist es häufig so, dass die Beschwerden beim Wasserlassen und der häufige Harndrang mit der Zeit immer schlimmer werden. Bei Frauen ist in vielen Fällen eine Blasenentzündung oder eine Nierenbeckenentzündung der Grund für Pollakisurie. Diese Harnwegserkrankungen entstehen durch Bakterien (zumeist aus dem Analbereich), die in die Harnröhre oder Nieren gelangen, was bei Frauen weitaus häufiger vorkommt, da deren Harnröhre kürzer ist als bei Männern und so die Bakterien wesentlich leichter dorthin gelangen. Bei schwangeren Frauen kann es auch ab der 36. Schwangerschaftswoche zu verstärktem Harndrang kommen, da das wachsende Baby im Bauch Druck auf die Harnblase ausübt. Nykturie: Die Nykturie ist eine Untergruppe der Polyurie und äußert sich durch erhöhten nächtlichen Harndrang, der mindestens zum zweimaligen Erwachen in der Nacht führt. Wer unter Polyurie leidet, leidet häufig auch unter Nykturie, da ein großes Harnvolumen vorhanden ist und die verstärkte Harnausscheidung tagsüber, wie auch nachts stattfindet. Nykturie führt oftmals zu Begleitsymptomen wie Tagesmüdigkeit, depressiven Verstimmungen und Konzentrationsstörungen. Das Sturz- und Verletzungsrisiko von Nykturiepatienten ist deutlich erhöht. Hohe Flüssigkeitszufuhr am Abend, insbesondere von alkohol- oder koffeinhaltigen Getränken, kann für vermehrtes nächtliches Wasserlassen verantwortlich sein. Da häufiges Wasserlassen oft nur ein Symptom und nicht die alleinige Erkrankung ist, sind weitere Begleiterscheinungen nicht unüblich, wie z.B. Schmerzen beim Wasserlassen, abgeschwächter Strahl, Blut im Urin, ungewollter Urinverlust (Harninkontinenz).

Therapiemöglichkeiten bei häufigem Harndrang

Je nachdem wo die Ursachen für häufiges Wasserlassen liegen, so unterschiedlich kann der Behandlungs- oder Therapieansatz sein. Ein Besuch beim Arzt sollte beim Auftreten von häufigem Urinieren unumgänglich sein, damit die genaue Ursache bestimmt werden kann. Um sich einen Überblick über die Häufigkeit und die genauen Zeiten des Urinierens zu verschaffen, wird der Patient oft gebeten ein Miktionsprotokoll anzufertigen. In das Protokoll sollte eingetragen werden wann (zu welcher Uhrzeit) uriniert wurde oder ob man unfreiwillig Harn verloren hat, ebenso wie viel Flüssigkeit und welche Art von Getränken man am Tag zu sich genommen hat. Dadurch können Rückschlüsse auf die Art des zu häufigen Harndrangs geschlossen werden. Des Weiteren sollte der Arzt oder Urologe eine Untersuchung des Urins, Bluts und des Blutzuckerspiegels durchführen. Anhand dessen kann der Arzt in den meisten Fällen eine klare Diagnose stellen. Wenn eine Krankheit wie, z.B. eine Blasenentzündung, bei der Urinuntersuchung die Ursache für die Polyurie oder Pollakisurie ist, erfolgt in der Regel eine medikamentöse Behandlung mit Antibiotika. Durch das Testen des Blutzuckerspiegels kann der Arzt feststellen, ob Diabetes der Grund für den häufigen Harndrang ist. Falls keine organischen Defekte oder eine Erkrankung die Ursache für Polyurie sind, das oftmalige Wasserlassen also auf ein neurologisches oder psychisches Problem zurückzuführen ist, können Betroffene mit Blasentraining erhebliche Erfolge erzielen. Durch ein auf den Patienten abgestimmtes Blasentraining kann die Kontrolle über den Harndrang und das Gefühl für die Füllmenge der Blase wiedererlangt werden. Beim Blasentraining wird anhand eines Miktionsprotokolls ein Toilettenplan für die Blasenentleerung erstellt, sodass der Betroffene den Harndrang unterdrücken, bzw. kontrollieren soll. So kann sich die Blase wieder an eine normale Füllmenge gewöhnen, ohne das Gefühl von akutem Harndrang zu vermitteln.

Kann man häufigem Harndrang vorbeugen?

Ein gesunder Lebensstil kann dazu beitragen, um nicht unter dem Symptom des vermehrten Wasserlassens zu leiden. Was heißt das konkret? Man sollte versuchen Übergewicht zu reduzieren und das Körpergewicht im idealen Bereich zu halten. Eine ausgewogene Ernährung kann dabei helfen, ebenso wie der Verzicht auf Nikotin und geringer Alkohol- und Koffeinkonsum. Auch ein starker Gebrauch von Schmerzmitteln kann sich negativ auf die Nieren auswirken.



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