Blasenentzündung

Eine Blasenentzündung (Zystitis, abgeleitet von lat. Cystitis für Blase, Harnblase) bezeichnet im medizinisch Sinne die Entzündung der Harnblase. Dieser Artikel informiert Sie über die genaue Definition, die verschiedenen Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten.

Definition

Eine Blasenentzündung ist entweder nur die Entzündung der Schleimhaut oder die der kompletten Wand der Harnblase. Die Erkrankung betrifft den Bereich der unteren Harnwege; die oberen Harnwege, wie Harnleiter und Niere sind von dieser Art der Infektion nicht betroffen. Sollte eine Blasenentzündung nicht behandelt werden, kann es zu einer Nieren-Becken-Entzündung kommen, die wesentlich schwerwiegender und schmerzhafter ist.

Die Harnblase

Die Harnblase liegt unter dem Bauchnabel und hinter dem Schambein. Eine spezielle Schleimhaut (Urothel) sorgt dafür, dass sie sehr dehnbar ist. Die Blase dient als Speicher für den von den Nieren produzierten Urin und kann bei einem Erwachsenen etwa 1 Liter Urin fassen. Gewöhnlich tritt Harndrang auf, wenn die Harnblase etwa zu 1/3 des max. Volumens gefüllt ist. Der Harndrang entsteht, wenn die Dehnung der Blasenwand über ein gewisses Maß hinausgeht. Trotz Harndrang kann sich die Blasenmuskulatur weiter dem Füllzustand anpassen. Die Blasenmuskulatur ist im Zusammenspiel mit der Beckenbodenmuskulatur für die Blasenentleerung (Miktion) zuständig.1

Arten von Blasenentzündung

Bei einer Blasenentzündung ist die besondere Schleimhaut der Harnblase, das Urothel, beeinträchtigt. Dadurch ist die Dehnbarkeit der Harnblase vermindert, wodurch sie schneller das Signal zur Blasenentleerung aussendet. Dazu kommt, dass nur selten die Blase alleine von der Entzündung betroffen ist. Umliegende Bereiche wie die Harnröhre (Harnwegsinfekt) oder auch die Nieren (Pyelonephritis) können ebenfalls betroffen sein und erhebliche Komplikationen hervorrufen. Dabei gibt es verschiedene Ursachen für eine Blasenentzündung, wie u.a. Bakterien und Viren.2

Man unterscheidet bei einer Blasenentzündung zwischen verschiedenen Arten, je nach Ursache, Häufigkeit und Geschlecht des Betroffenen. So unterscheidet man bei Frauen zwischen einer akuten und einer wiederkehrenden unkomplizierten Zystitis und einer postmenopausalen Zystitis. Bei Männern gibt es keine postmenopausale Zystitis; sie erkranken in der Regel an einer akuten unkomplizierten Zystitis, seltener an einer wiederkehrenden Zystitis.

Wer ist von einer Blasenentzündung betroffen?

Frauen sind häufiger von einer Blasenentzündung betroffen als Männer. Das liegt zum einen daran, dass die Harnröhre nur etwa zweieinhalb bis vier Zentimeter lang ist, während die männliche Harnröhre bis zu zwanzig Zentimeter fasst.3 Der Weg für Bakterien bis in die Blase ist bei Frauen demnach deutlich kürzer, was zu der vermehrten Anzahl weiblicher Betroffener führt.

Weiterhin liegt der Harntrakt der Frauen deutlich näher an der Analregion, in der sich viele der Erreger befinden, die für eine Blasenentzündung verantwortlich sind. Ein weiterer Punkt, warum Frauen häufiger betroffen sind, ist der Abfall des Östrogenspiegels, der mit den Wechseljahren einhergeht. Dieser bewirkt nämlich, dass die Schleimhaut der Harnröhre dünner wird, sodass Keime leichter in die Harnblase vordringen können.

Bei Männern gibt es weniger Auslöser für eine Blasenentzündung. Bei ihnen ist es vor allem das steigende Alter, welches zu einer (meist) gutartigen Vergrößerung der Prostata führen kann. Durch die Verengung der Harnröhre, die von der Prostata begrenzt wird, kann der Urin nicht richtig abfließen und Bakterien können sich rasch ausbreiten.

Abgesehen davon, dass Frauen deutlich häufiger von Blasenentzündungen betroffen sind als Männer, vor allem während der Schwangerschaft und kurz nach der Geburt4, gibt es auch einige Fälle, in denen Kinder an einer Blasenentzündung erkranken. Besonders häufig tritt eine Blasenentzündung bei Kleinkindern auf.

Ursachen für Blasenentzündungen

Eine Reihe der Ursachen lässt sich aus den Gründen ableiten, warum Frauen häufiger betroffen sind. Dadurch, dass der Harnwegseingang der Frauen so nah an der Analregion liegt, ist der häufigste Auslöser für eine Blasenentzündung – das für den Darm normale – Bakterium Escherichia coli (E. coli). Es löst etwa 80-90% aller akuten unkomplizierten Zystitis-Fälle bei Frauen aus.5

Eine weitere Hauptursache für eine Zystitis können auch Nebenwirkungen bestimmter Medikamente sein. Außerdem kann eine Bestrahlung in der Beckengegend ebenfalls Ursache für eine Blasenentzündung sein. Dies nennt man dann Strahlenzystitis.6

Neben den o.g. Ursachen gibt es noch viele weitere Ursachen oder begünstigende Faktoren. Nachstehend eine Liste der Häufigsten, die unter anderem für eine wiederkehrende unkomplizierte Blasenentzündung bei Frauen (>= 4 im Jahr) verantwortlich sein können:

  • Ein grundsätzlich geschwächtes Immunsystem begünstigt eine Blasenentzündung.
  • Die Entwicklung der Abwehrschwäche wird durch eine ungesunde Lebensweise (z.B. Stress, Alkohol, zu wenig Schlaf, Rauchen, zu wenig Bewegung), diverse Medikamente (z.B. Cortison) oder Stoffwechselkrankheiten, wie Diabetes, oder Östrogenmangel bei Frauen in den Wechseljahren begünstigt.
  • Gebrauch von Kathetern.
  • Die veränderte Hormonlage in der Schwangerschaft weitet die Harnwege. Das erleichtert Keimen den Weg in die Blase.
  • Das Gleiche gilt für die Wechseljahre.
  • Langes Zurückhalten des Urins kann ebenfalls eine Ursache für eine Blasenentzündung sein.
  • Krankheiten benachbarter Organe oder Infektionskrankheiten können auch auf die Harnblase übergehen.7
  • Das falsche Verhütungsmittel, wie ein Diaphragma, das ein erhöhtes Infektionsrisiko birgt.8

Symptome

Einige der Symptome einer Blasenentzündung ähneln denen einer Blasenschwäche. So zum Beispiel das Gefühl des ständigen Harndrangs, wobei nur eine kleine Menge Urin ausgeschieden wird. Der auftretende Harndrang kann manchmal kaum unterdrückt werden, sodass der Erkrankte die Toilette nicht mehr rechtzeitig erreicht und etwas Urin vorher abgeht.9

Ein klares Indiz für eine Blasenentzündung ist das Brennen beim Wasserlassen zusammen mit dem Gefühl, dass ein Widerstand den Harntrakt blockiert. Auch Schmerzen im Bereich des unteren Bauchs sind ein klares Symptom für eine Blasenentzündung. Diese resultieren aus dem krampfartigen Zusammenziehen der Harnblase während des Wasserlassens. In vielen Fällen kommt es bei einer Blasenentzündung zu einer Trübung des Urins und einem auffälligen Geruch. Eine akute Zystitis kann zusätzlich zu Blut im Urin führen (Hämaturie) und auf die Nieren oder die Prostata übergreifen. Dann können weitere Symptome wie Fieber, Rücken- bzw. Flankenschmerzen hinzukommen.10

Diagnosearten

Eine Untersuchung des Urins kann bereits deutlich auf eine Blasenentzündung hinweisen. Wenn der Urin faul riecht, kann dies ein klares Indiz sein. Außerdem kann der Urin für eine genauere Diagnose auf weiße Blutkörperchen, vermehrten Schleim, evtl. rote Blutkörperchen, Bakterien oder abgestorbene Zellreste untersucht werden. Wenn die Blutwerte lang anhaltend oder wiederholt auf eine Blasenentzündung hinweisen bietet sich eine Blasenspieglung (Zystoskopie) zur Untersuchung weiterer Ursachen an. Dabei können bei Bedarf auch Gewebeproben entnommen (Biopsie) und zur Untersuchung eingereicht werden.

Therapie: Was hilft gegen Blasenentzündung

Harnwegsinfektionen gelten allerdings häufig als unkompliziert und können in der Regel innerhalb weniger Wochen ausgeheilt werden. Bei der Behandlung geht es hauptsächlich um die Behandlung der Symptome. Vermehrt wird bei der Behandlung ein Antibiotikum eingesetzt. Diese Art Behandlung sollte aufgrund einer sich möglicherweise entwickelnden Resistenz überdacht werden.11 Neben einer medikamentösen Behandlung (die nur in Absprache mit Ihrem Arzt erfolgen sollte, da die entsprechenden Antibiotika verschreibungspflichtig sind), können Sie auch selbst aktiv werden, um die Symptome der Blasenentzündung zu lindern.

Darunter zählt eine erhöhte Aufnahme von Flüssigkeit. Auch wenn das Wasserlassen schmerzt und brennt, ist es wichtig viel zu trinken. Das spült den Körper durch und befreit dadurch die Harnwege von Keimen. Darüber hinaus können Wärmflasche oder Sitzbäder mit Kamillenzusatz (bei Körpertemperatur) die Beschwerden der Blasenentzündung mindern. Allerdings wird von warmen oder heißen Auflagen in der Blasengegend abgeraten, wenn es sich um eine bakterielle Infektion handelt, da sich sonst die Erreger noch schneller vermehren würden.12 Gerade bei Frauen, aufgrund der kurzen Harnröhre, sollte eine gründliche Reinigung der äußeren Genitalien durchgeführt werden, mithilfe einer ph-neutralen Seife13 oder durch die Nutzung einer Waschschüssel (Bidet), da diese Form der Reinigung am besten geeignet ist. Die Reinigung sollte immer in Richtung Analbereich durchgeführt werden, da sonst erneut Bakterien in die Harnröhre gelangen können.14 Manche Ärzte empfehlen zudem das postkoitale Urinieren um die beim Geschlechterverkehr möglicherweise eingedrungenen Keime zu eliminieren.15

In manchen Fällen tritt eine Blasenentzündung immer wieder auf (wiederkehrende akute Zystitis). Dann führt (meist) kein Weg an einer medikamentösen Behandlung mit Antibiotika vorbei. In vereinzelten Fällen ist eine chronische Blasenentzündung operativ zu behandeln. Dies tritt besonders häufig bei Männern auf, die im steigenden Alter mit dem Problem der Prostatavergrößerung konfrontiert werden.

Wenn Sie an einer Blasenentzündung leiden, sollte Sie auch besonders auf Ihre Ernährung während dieser Zeit achten. Führen Sie Ihrem Körper ausreichend Flüssigkeit zu (z.B. Wasser und ungesüßte Kräutertees) und setzen Sie auf eine eiweißarme und leichte Kost. Manche Lebensmittel bekämpfen auf natürliche Art die Erreger im Harntrakt (z.B. Kapuzinerkresse, Meerrettich) oder desinfizieren die Harnwege (z.B. Porree wegen seiner schwefelhaltigen Aromastoffe).16

In den Fällen in denen die Zystitis mit Problemen wie Inkontinenz oder einer Blasenschwäche einhergehen, können Produkte wie Inkontinenzwindeln oder Inkontinenzbinden wichtige Hilfsmittel für den Alltag sein.

So beugen Sie einer Blasenentzündung vor

Achten Sie auf Kleidung, die den Unterleib, den Nierenbereich und die Füße warmhält. Ebenso sollte Unterkühlung oder Nässe in der Umgebung des Unterleibs, wie etwa durch das Sitzen auf kalten Steinen oder Böden, vermieden werden. Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit, denn das spült den Körper durch und die Keime nach draußen. Versuchen Sie den Urin nicht zulange zu halten, sondern gehen Sie rechtzeitig zur Toilette, damit erst gar kein unangenehmes Gefühl entstehen kann.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu den Themen Blase, Wasserlassen sowie rund um das Thema Inkontinenz finden Sie im Glossar von Tena. Für eine individuelle Beratung raten wir ausdrücklich, die Meinung eines Facharztes einzuholen. Nur dieser kann eine genaue Diagnosen stellen und Informationen über die Form der Erkrankung sowie über örtliche Beratungs- und Behandlungsangebote liefern.





1 Vegetative Physiologie, S. 448.
2 Vgl. Harninkontinenz im Erwachsenenalter, S. 4.
3 Mwamba, S.: Blasenentzündung – Was tun? 2014 S.1
4 Krieger, S.: Pathologie-Lehrbuch für Heilpraktiker. 2013 Kapitel 3.4.1
5 Harninkontinenz im Erwachsenenalter, S. 4.
6 Schmidt-Voigt, J.: Harnwegsinfektionen. 2013 S.15
7 Schmidt-Voigt, J.: Harnwegsinfektionen. 2013 S.15 f
8 Harninkontinenz im Erwachsenenalter, S. 6.
9 Kopf, R.: Klassische Naturheilkunde für Jedermann. 2015 (Kapitel Blasenentzündung)
10 Urologie, 4. Auflage, S. 146.
11 Harnwegsinfektionen: Stufentherapie sinnvoll, In: Ärzte Zeitung Nr. 148 vom 11.09.2013, S. 8.
12 Kopf, R.: Klassische Naturheilkunde für Jedermann. 2015 (Kapitel Blasenentzündung)
13 Vgl. Harninkontinenz im Erwachsenenalter, S.
14 Gawlik, W.: Homöopathie und konventionelle Therapie. 1997. S. 164
15 Harninkontinenz im Erwachsenenalter, S. 6.
16 Kopf, R.: Klassische Naturheilkunde für Jedermann. 2015 (Kapitel Blasenentzündung)